Gerade im flacheren, warmen Wasser mit viel Grünpflanzen lauern Zerkarien – Larven von Saugwürmern – auf Wasservögel. Aus Versehen versuchen sie sich aber auch durch die Haut von Menschen zu bohren und lösen so einen heftigen und lange anhaltenden Juckreiz aus. Foto: Andrea Arnold/stock.adobe.com

Juckreiz nach dem Baden im See? So lösen Zerkarien eine Badedermatitis aus

Ein Sprung in den Badesee gehört für viele zum Sommer einfach dazu. Doch manchmal folgt auf die erfrischende Abkühlung ein unangenehmes Erwachen. Kurz nach dem Baden beginnt die Haut zu jucken, es entstehen rote Flecken oder kleine Quaddeln. Häufig steckt dahinter eine sogenannte Badedermatitis, die durch Zerkarien ausgelöst wird.

Kleine Saugwürmer-Larven

Zerkarien sind mikroskopisch kleine Larven bestimmter Saugwürmer. Sie gehören zu einem natürlichen Lebenszyklus zwischen Wasserschnecken und Wasservögeln wie Enten und Gänse. Die erwachsenen Würmer leben in den Wasservögeln und geben ihre Eier über deren Kot ins Wasser ab. Dort entwickeln sich die Larven zunächst in Süßwasserschnecken. Anschließend verlassen sie die Schnecken und suchen ihren eigentlichen Endwirt, einen Wasservogel. 

Treffen die Larven stattdessen auf einen Menschen, können sie sich irrtümlich in die oberste Hautschicht bohren. Da der Mensch für sie ein Fehlwirt ist, können sie sich nicht weiterentwickeln und sterben nach kurzer Zeit ab. „Die Reaktion des Immunsystems auf die eingedrungenen Larven verursacht die typische Badedermatitis“, erklärt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der BARMER.

Grafik: Kurtz – KI-generiert
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Welche Beschwerden treten auf?

Nicht jeder Kontakt mit Zerkarien führt sofort zu starken Beschwerden. Beim ersten Kontakt fällt die Hautreaktion häufig nur leicht aus oder bleibt sogar unbemerkt. Wer jedoch bereits früher mit Zerkarien in Berührung gekommen ist, entwickelt oft eine stärkere Immunreaktion.

Typische Anzeichen sind:

  • Kribbeln oder leichtes Brennen der Haut bereits kurz nach dem Baden
  • juckende rote Flecken oder kleine Knötchen
  • Quaddeln, die an Mückenstiche erinnern
  • teilweise starker Juckreiz, der mehrere Tage anhalten kann

Doch es gibt eine gute Nachricht. „Die Beschwerden klingen meist innerhalb von 10 bis 20 Tagen vollständig ab. Dauerhafte gesundheitliche Folgen sind nicht zu erwarten“, so Petzold.

Grafik: Kurtz – KI-generiert
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Wo und wann kommen Zerkarien vor?

Zerkarien treten vor allem in natürlichen Süßgewässern auf. Besonders wohl fühlen sie sich in flachen, warmen Uferbereichen mit vielen Wasserpflanzen und einem hohen Bestand an Wasservögeln und Schnecken. Während längerer Hitzeperioden und bei steigenden Wassertemperaturen können sie sich verstärkt vermehren. Das Risiko ist deshalb insbesondere im Sommer erhöht.

So kann man sich schützen

Ein vollständiger Schutz ist zwar nicht möglich, einige einfache Maßnahmen können das Risiko jedoch deutlich verringern. Wer kann, sollte flache, stark bewachsene Uferzonen meiden und stattdessen möglichst in tieferen Bereichen baden. Auch der Blick auf Hinweisschilder an Badeseen kann helfen. Denn werden Zerkarien nachgewiesen, informieren die zuständigen Behörden häufig vor Ort. 

Dermatologin Petzold pergänzt: „Nach dem Baden ist es wichtig, sich sofort gründlich mit einem Handtuch abzutrocknen. Dadurch lassen sich Larven entfernen, bevor sie in die Haut eindringen können. Außerdem sollte nasse Badekleidung möglichst zeitnah gewechselt werden.“ Auch wasserfeste Sonnencreme oder andere wasserunlösliche Cremes können das Eindringen der Larven möglicherweise erschweren, bieten jedoch keinen sicheren Schutz. Und wer langfristig verhindern will, dass sich die natürlichen Wirte vermehrt an Badestellen aufhalten, füttert dort weder Enten noch andere Wasservögel.

Grafik: Kurtz – KI-generiert
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Was hilft gegen den Juckreiz?

„Auch wenn der Juckreiz sehr unangenehm sein kann, Kratzen sollte möglichst vermieden werden. Durch das Aufkratzen der Haut können Bakterien eindringen und eine zusätzliche Entzündung verursachen“, warnt die BARMER-Expertin. Lindernd wirken häufig kühlende Umschläge oder kühlende Gele. Bei stärkerem Juckreiz können nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung antihistaminhaltige Gele, Antihistaminika zum Einnehmen oder kortisonhaltige Cremes eingesetzt werden.
Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
In den meisten Fällen heilt die Badedermatitis ohne Behandlung folgenlos ab. Ärztlicher Rat ist jedoch sinnvoll, wenn:

  • der Juckreiz besonders stark ist,
  • sich die Haut entzündet oder nässt,
  • Fieber, Kreislaufbeschwerden oder andere allgemeine Krankheitssymptome auftreten,
  • kleine Kinder betroffen sind oder
  • Unsicherheit über die Ursache der Hautreaktion besteht.   pm