
Die Leber ist als größtes inneres Organ des Menschen für viele Stoffwechselfunktionen wie Entgiftung oder Speicherung von Nährstoffen notwendig. In einigen beliebten europäischen Reiseregionen besteht ein erhöhtes Risiko, sich mit Hepatitis-Viren anzustecken und eine hochansteckende Leberentzündung zu riskieren. Foto: Rasi/stock.adobe.com
Gefahr für die Leber: Hepatitis-Risiko im Urlaub durch Muscheln – Jetzt impfen lassen
Nach den Corona-Jahren steigt die Reiselust der Deutschen wieder stetig. Das geht aus aktuellen Zahlen der Deutschen Tourismusanalyse 2025 hervor. Vor allem europäische Länder wie Spanien, Italien und die Türkei erfreuen sich großer Beliebtheit. Neben der Vorfreude auf den Urlaub sollten Reisende jedoch nicht vergessen, sich über mögliche Gesundheitsrisiken zu informieren und rechtzeitig einige Vorbereitungen zu treffen. Zu den Gesundheitsrisiken zählen Hepatitis A und B, beides hochansteckende Leberentzündungen.
Trotz weltweiter Anstrengungen, ihre Verbreitung einzudämmen, besteht das Risiko einer Ansteckung auf Reisen — und wird häufig unterschätzt.
Hepatitis ist weltweit verbreitet – Viele Infektionswege
Schnell kann es passieren, dass man neben schönen Urlaubsbildern und Erinnerungen auch ein wenig erfreuliches Souvenir aus dem Urlaub mitbringt: eine Hepatitis-Erkrankung. Was viele nicht wissen: In einigen beliebten europäischen Reiseregionen besteht ein erhöhtes Risiko, sich mit Hepatitis anzustecken. Impfungen gegen Hepatitis A und B können schützen. Hepatitis A, auch als „Reise-Hepatitis“ bezeichnet, ist weltweit verbreitet. Ein Ansteckungsrisiko besteht sowohl in tropischen Ländern als auch im Mittelmeerraum und ist in Regionen mit niedrigeren Hygienestandards und schlechten sanitären Bedingungen erhöht.
Die bei vielen Deutschen äußerst beliebten Urlaubsländer Spanien, Italien und Türkei zählen zu den Risikogebieten. Die Infektionsquellen sind zahlreich und vielfältig: Eine Infektion erfolgt fäkal-oral, beispielsweise durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln und kontaminiertem Leitungswasser. Auch eine Ansteckung über eine Schmierinfektion (infizierte Gegenstände, zum Beispiel auf Toiletten) und die Übertragung von Mensch zu Mensch sind möglich. Da es zahlreiche Infektionsquellen gibt, kann das Risiko einer Ansteckung nicht gänzlich vermieden werden.
Hepatitis B ist ebenfalls weltweit verbreitet und etwa 100-mal ansteckender als HIV. Die Viren können durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit und Sperma übertragen werden. Eine Ansteckung kann durch kosmetische Behandlungen und medizinische Eingriffe mit unsterilen Instrumenten erfolgen, aber auch durch sexuelle Kontakte mit infizierten Personen.
Infektionen werden oftmals spät erkannt
Bei einer Hepatitis-A-Infektion sind die Symptome häufig unspezifisch, was eine Diagnose erschwert. Zu den möglichen Symptomen zählen Durchfall, Fieber und Oberbauchschmerzen. Eine Erkrankung kann längere Bettruhe bedeuten. Über die Hälfte der mit Hepatitis A infizierten Erwachsenen entwickeln eine Gelbsucht (Ikterus), bei der es zu einer Gelbfärbung der Haut und des Augenweißes kommt. Im Gegensatz zu Hepatitis B, C und D kann Hepatitis A nicht chronisch werden. Aufgrund der langen Inkubationszeit von durchschnittlich 25 bis 30 Tagen wird eine Infektion mit Hepatitis A oftmals erst spät diagnostiziert.
Auch bei einer Hepatitis-B-Infektion sind die Beschwerden oft unspezifisch: Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Unwohlsein. Eine Hepatitis-B-Infektion heilt bei Erwachsenen in den meisten Fällen vollständig aus. In Ausnahmefällen kann sie jedoch chronisch werden und zu einer Leberzirrhose (geschrumpften Leber), zu Leberkrebs und sogar zum Tod führen. Weil die Inkubationszeit bei Hepatitis B im Durchschnitt 60 bis 120 Tage beträgt, wird eine Infektion häufig nicht direkt mit einer vergangenen Urlaubsreise in Verbindung gebracht.
Vor dem Urlaub über Schutzmöglichkeiten informieren
Um das Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf Hepatitis A und B zu stärken, macht der am 28. Juli stattfindende Welt-Hepatitis-Tag auf Risiken und Schutzmöglichkeiten aufmerksam. Da es schwierig ist, jeglichen Kontakt mit Hepatitis-Viren zu vermeiden, sollten sich Reisende vier bis acht Wochen vor der Reise bei ihrem Arzt informieren, wie sie sich vor Hepatitis schützen können – egal, wo die Reise hingeht. Eine Hepatitis-A-Impfung, so Tropenmediziner, sei noch kurzfristig vor Reisebeginn möglich. Schon nach etwa zehn bis 14 Tagen habe sich der Schutz aufgebaut. Seit mehreren Jahrzehnten stehen Impfstoffe mit guter Verträglichkeit und Wirksamkeit gegen Hepatitis A und B zur Verfügung.
Gefahr einer Hepatitis-Infektion durch Muschelgerichte im Mittelmeerraum
Die größte Gefahr einer Hepatitis-Infektion durch Muscheln geht von Hepatitis A (HAV) und in selteneren Fällen Hepatitis E (HEV) aus. Beide Viren werden fäkal-oral übertragen und können durch kontaminiertes Wasser oder unzureichend gegarte Schalentiere wie Muscheln aufgenommen werden.
Muscheln wie etwa Mies- oder Venusmuscheln sind Filtrierer: Sie nehmen Meerwasser auf und konzentrieren darin enthaltene Mikroorganismen, darunter auch Viren. Wenn das Küstengewässer durch Abwasser kontaminiert ist, kann es zu einer Anreicherung von Hepatitis-Viren in den Muscheln kommen. Risikofaktoren sind der Konsum roher oder nur leicht gegarter Muscheln, zum Beispiel in Vorspeisen oder Antipasti, sowie der Verzehr von Meeresfrüchten aus nicht kontrollierten oder belasteten Gewässern. Regionen mit unzureichender Abwasserentsorgung liegen zum Beispiel in Teilen von Süditalien, Griechenland oder Nordafrikas, was die Muscheln von dort als risikoreicher gelten lassen.

Epidemiologische Lage in den Urlaubsländern am Mittelmeer
Studien und Berichte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigen wiederholte lokale Ausbrüche von Hepatitis A durch den Verzehr kontaminierter Muscheln, vor allem aus Italien und Spanien. Eine Studie aus Istanbul aus dem Jahr 2018 gab klare Hinweise auf eine Virusverunreinigung bei Muscheln und damit auch auf ein öffentliches Gesundheitsrisiko. Untersucht wurden 736 Muscheln (92 Sammelproben) vom Bosporus. In 3,3 Prozent der Proben konnte Hepatitis-A-Virus-RNA (HAV) mittels real-time RT‑PCR nachgewiesen werden.
Die Durchimpfungsrate gegen HAV ist in einigen Mittelmeerländern niedrig, was Hepatitis-Ausbrüche begünstigt. Die Kontamination tritt punktuell auf – insbesondere bei mangelhafter Überwachung der Wasserqualität.
UNSER TIPP: Aus medizinischer Sicht empfiehlt es sich, gekochte Muscheln zu essen, denn sie stellen ein geringes Risiko dar, da Hepatitis-Viren bei Temperaturen über 85 °Celsius abgetötet werden. Aber: In einer italienischen Studie aus dem Jahr 1999 wurde gezeigt, dass 60 °Celsius für 30 Minuten oder 80 °Celsius für 10 Minuten nicht ausreichten. Erst bei 100 °Celsius für mindestens 2 Minuten war das Virus vollständig inaktiviert. In Risikogebieten oder bei unklarem Ursprung der Meeresfrüchte empfiehlt sich der Verzicht auf rohe Muscheln und natürlich eine HAV-Impfung vor Reisen in Endemiegebiete. EU-Vorschriften verlangen eigentlich eine strenge Überwachung der Muschelfanggebiete, aber Kontrolllücken sind nicht ausgeschlossen.
Reisemediziner: Zeit vor Urlaubsantritt für Aufbau des Impfschutzes nutzen
Wie Berichte des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Impfquoten in Deutschland zeigen, gibt es bei Wahrnehmung und Umsetzung wichtiger Impfprogamme hierzulade viel Verbesserungsbedarf. Jeder Kontakt mit Patienten sollte deshalb von Ärzten unbedingt genutzt werden, um auf die Bedeutung dieser Prävention aufmerksam zu machen. Und gerade jetzt im Vorfeld der beginnenden Fernreisesaison, bieten sich dafür die reisemedizinischen Sprechstunden an. Darauf weist die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin e.V. (DFR) hin.
Während die Impfquoten bei Kindern in Deutschland auf einem insgesamt hohen Niveau liegen, zeigen sich schon im Jugendalter erhebliche Lücken bei den Standardimpfungen: Die empfohlenen Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis werden von vielen Jugendlichen nicht wahrgenommen. Eine Gelegenheit zum Nachholen oder Auffrischung der Standardimpfungen ist die reisemedizinische Beratung.
„Vor größeren Reisen und Auslandsaufenthalten – von Fernreisen bis zum Auslandsjahr in Schule oder Studium – besteht in der Bevölkerung oftmals eine höhere Sensibilität für die Notwendigkeit von Impfungen beziehungsweise – je nach Reiseland und Erreger – mitunter auch eine Verpflichtung zur Impfung vor Einreise“, sagt Professor Dr med. Tomas Jelinek, Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin. Hinzu komme, dass der Zugang zu reisemedizinischer Beratung und Reiseimpfungen relativ niederschwellig ist und etwa auch in Gesundheitsämtern oder Tropeninstituten wahrgenommen werden kann.
Zwei Monate vor Urlaubsantritt reisemedizinische Fragen klären
Wer eine Fernreise plant, sollte frühzeitig mit dem Impfpass die hausärztliche oder reisemedizinische Praxis oder Beratungsstelle aufsuchen – bestenfalls 6 bis 8 Wochen vor Reiseantritt. Einige Impfungen entfalten ihren vollen Schutz erst Wochen nach der Verabreichung oder erfordern mehrere Dosen.
„Wenn möglich, sollten Impfungen spätestens 2 Wochen vor Reiseantritt abgeschlossen sein “, so Dr. med. Markus Frühwein, 1. Vizepräsident der DFR. So kann der Körper die notwendige Immunität aufbauen, und Impfreaktionen können vor der Reise abklingen.
Standard- und Reiseimpfungen gleichzeitig vornehmen?
Wenn mehrere Standard- und Reiseimpfungen notwendig sind, gilt: Lebendimpfstoffe, etwa Kombinationsvakzinen wie der MMR-Impfstoff, können gleichzeitig verabreicht werden. Werden sie nicht gleichzeitig verabreicht, ist zwischen einzelnen Lebendimpfstoffen ein Mindestabstand von vier Wochen notwendig.
Bei der Anwendung von Totimpfstoffen ist keine Einhaltung von Mindestabständen erforderlich – weder zu anderen Totimpfstoffen noch zu Lebendimpfstoffen. „Die Vorstellung, dass multiples Impfen das Immunsystem überfordere oder überlaste, ist falsch und wissenschaftlich nicht gedeckt. Daher gibt es auch keine feste Maximalgrenze für gleichzeitig verabreichte Impfungen – hier muss in Rücksprache mit dem Patienten oder der Patientin abgewogen werden, je nach Reiseland und -art und dem sich daraus ergebenden Infektionsrisiko.“
Info
Spannenden Reise-Content und einen umfassenden Überblick über die richtige Gesundheitsvorsorge je nach Reiseziel, Tipps und eine Checkliste für die Reisevorbereitung bietet die GSK-Website www.bereit-zu-reisen.de. GSK ist ein globales Biopharma-Unternehmen, das sich auf die Wissenschaft des Immunsystems und auf fortschrittliche Technologien konzentriert. Weitere Informationen unter: www.de.gsk.com.
Reiseimpfempfehlungen der STIKO im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) finden Sie hier. pm/tok