
Zu faul, um eine Leiter zu holen? Die meisten Unfälle, bei denen Erwachsene ärztlich versorgt werden, passieren im häuslichen Umfeld: 36,0 Prozent verletzten sich zu Hause oder im Garten oder in der Garage. Foto: Marco Martins/stock.adobe.com
Daheim lauert die Gefahr: Jeder 10. Erwachsene hat eine ärztlich behandelte Unfallverletzung pro Jahr
Trautes Heim, Glück allein. Von wegen. Diese Volksweisheit spiegelt so gar nicht das hohe Risiko, das Menschen im häuslichen Umfeld eingehen. Nirgendwo sonst ist die Unfallgefahr so groß wie hier. Das Risiko, sich beim Fensterputzen auf wackeliger Leiter oder beim Bierholen im dunklen Keller zu verletzen ist größer als die Teilnahme im öffentlichen Straßenverkehr.
Etwa jeder 10. Erwachsene in Deutschland erleidet innerhalb von zwölf Monaten eine Unfallverletzung, die ärztlich versorgt wird. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Panel „Gesundheit in Deutschland“ 2024, die im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurden. Hochgerechnet entspricht dies rund 7 Millionen Erwachsenen.
Etwas mehr Unfälle bei Männern, unterschiedliche Altersschwerpunkte
Insgesamt berichteten 9,5 Prozent der Frauen und 10,5 Prozent der Männer von mindestens einer ärztlich behandelten Unfallverletzung innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Besonders häufig betroffen waren junge Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren: In dieser Gruppe lag die 12-Monats-Prävalenz bei 15,1 Prozent. Bei Frauen zeigte sich ein U-förmiger Altersverlauf: Neben jungen Frauen waren insbesondere Frauen ab 80 Jahren häufig betroffen, wie das DeutschesGesundheitsPortal (DGP) berichtet.
Im häuslichen Umfeld ist es am gefährlichsten
Zum letzten Unfall liegen detaillierte Informationen vor. Danach ereigneten sich die meisten Unfälle im häuslichen Umfeld: 36,0 Prozent passierten zu Hause oder in der unmittelbaren Umgebung, etwa im Garten oder in der Garage. Jeweils etwa ein Viertel der letzten Unfälle entfiel auf den Verkehr und die Freizeit, 16,0 Prozent auf Arbeit oder Bildungsstätte. Bei Frauen fand der letzte Unfall deutlich häufiger zu Hause statt als bei Männern; bei Unfällen am Arbeitsplatz gibt es einen Geschlechterunterschied zuungunsten der Männer.
Der häufigste Unfallmechanismus war der Sturz: 30,4 Prozent der berichteten ärztlich behandelten Unfälle waren Sturzunfälle. Bei Frauen war der Anteil der Stürze beim letzten Unfall höher als bei Männern. Mit zunehmendem Alter nahm die Bedeutung von Stürzen deutlich zu; bei den ab 80-Jährigen war etwa die Hälfte der letzten Unfälle auf Stürze zurückzuführen.
Jedes 5. Unfallopfer wurde stationär behandelt
Die häufigsten Verletzungsarten waren Verrenkungen, Verstauchungen, Zerrungen und Bänderrisse sowie offene Wunden, oberflächliche Verletzungen und Quetschungen. Bei 22,1 Prozent der Unfälle wurde ein Knochenbruch diagnostiziert. Fast jede 5. unfallverletzte Person wurde beim letzten Unfall stationär im Krankenhaus behandelt; die mittlere Verweildauer betrug 9,8 Nächte.
Die Ergebnisse zeigen die hohe Public-Health-Relevanz von Unfallverletzungen und schließen insbesondere für Heim- und Freizeitunfälle eine wichtige Datenlücke. Die bevölkerungsbezogenen Daten aus dem RKI-Panel liefern einen belastbaren Überblick über Unfallorte, Unfallmechanismen und besonders betroffene Gruppen – und helfen so, das Unfallgeschehen in Deutschland besser zu verstehen und Präventionsbedarfe zu erkennen, denn: Ein Unfall ist kein Zufall. dgp/tok