Viele Frauen erleben Scheidenpilz nur einmal im Leben. Bei anderen kehrt die Infektion jedoch immer wieder zurück. Die meisten unkomplizierten Scheidenpilzinfektionen lassen sich heute sehr gut behandeln. Foto: SENTELLO/stock.adobe.com

Candida albicans: Warum Scheidenpilz wiederkommt und was Frauen dagegen tun können

Wenn es im Intimbereich juckt oder brennt, denken viele Frauen zuerst an Scheidenpilz. Das ist naheliegend: Candida albicans ist ein häufiger Auslöser solcher Symptome. Doch nicht immer bereitet der Hefepilz Probleme. „Candida albicans gehört bei vielen Frauen zum normalen vaginalen Mikrobiom und verursacht zunächst keine Beschwerden“, sagt die Berliner Gynäkologin Dr. Sybille Görlitz-Novakovic. Entscheidend ist nicht allein, ob Candida vorhanden ist, sondern ob er auf ein gestörtes Milieu trifft.

Gerät das fein abgestimmte Zusammenspiel aus Milchsäurebakterien, pH-Wert, Vaginalhaut, Hormonen und lokaler Abwehr aus dem Gleichgewicht, kann dies eine stärkere Vermehrung von Candida albicansbegünstigen. Dann reagiert das Gewebe in Vulva und Vagina entzündlich: Typisch sind starker Juckreiz, Brennen, Schwellung und oft ein weißlich-bröckeliger, geruchloser Ausfluss.

Welche Faktoren das Gleichgewicht stören

Das vaginale Mikrobiom funktioniert wie ein kleines Ökosystem. Eine wichtige Rolle spielen Milchsäurebakterien: Sie tragen zu einem sauren Milieu bei, das Teil des natürlichen Schutzsystems ist und das Wachstum vieler unerwünschter Keime beeinflusst. Wird dieses Schutzsystem geschwächt, können Hefepilze ihre Chance nutzen.

Hormonelle Veränderungen gehören zu den wichtigsten Einflussfaktoren. Östrogene unterstützen die Vaginalhaut und schaffen günstige Bedingungen für Milchsäurebakterien. Diese tragen zu einem sauren pH-Wert bei und helfen gemeinsam mit weiteren Schutzmechanismen, das vaginale Gleichgewicht stabil zu halten. Rund um den Menstruationszyklus, während Schwangerschaft und Stillzeit, bei hormoneller Verhütung oder in den Wechseljahren kann sich dieses Gleichgewicht verändern, häufig auch zu Lasten der Milchsäurebakterien. In solchen Phasen kann der pH-Wert ansteigen, wodurch das Risiko für Infektionen erhöht sein kann. 

Antibiotika können das Gleichgewicht ebenfalls stören. Sie bekämpfen schädliche Bakterien, reduzieren aber auch nützliche Milchsäurebakterien. Fehlen diese, kann das saure Schutzmilieu instabiler werden. Candida kann sich dann leichter vermehren.

Das gesamte vulvovaginale System beachten

Und es gibt noch mehr Umstände, die eine Candida-Infektion begünstigen können. Eine Diabeteserkrankung gehört dazu, ebenso ein geschwächtes Immunsystem, Stress, die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit – besonders jetzt im Sommer – sowie enge Kleidung.

„Neben dem vaginalen Milieu spielt auch die Haut der Vulva eine wichtige Rolle“, ergänzt Görlitz-Novakovic. „Wenn ihre Schutzbarriere intakt ist, ist sie weniger anfällig für Krankheitserreger. Deshalb betrachten wir heute nicht nur den Erreger selbst, sondern das gesamte vulvovaginale System.“

Doch nicht jede Frau mit Juckreiz oder Brennen hat tatsächlich eine Pilzinfektion.

# Ein häufiger Irrtum lautet, der Sexualpartner müsse grundsätzlich mitbehandelt werden. Nach aktuellen Leitlinien ist im Normalfall nicht notwendig. Eine Mitbehandlung wird nur empfohlen, wenn auch der Partner Beschwerden wie Rötung, Juckreiz oder Entzündungen am Penis entwickelt.

# Ebenso falsch ist die Annahme, Scheidenpilz sei eine klassische Geschlechtskrankheit. Zwar kann Candida beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, meist entsteht die Infektion jedoch durch eine übermäßige Vermehrung der ohnehin vorhandenen Hefepilze im eigenen Körper.

MerkmalScheidenpilz (Candida)Bakterielle Vaginose
AusflussWeiß, dick, bröckelig („hüttenkäseartig“), meist geruchlosDünnflüssig, grau-weiß, gleichmäßig
GeruchMeist kein auffälliger GeruchTypisch: fischiger Geruch, häufig nach dem Geschlechtsverkehr stärker
Juckreiz/BrennenSehr häufig, oft ausgeprägtMeist nur leicht oder gar nicht vorhanden
Rötung/SchwellungHäufig deutliche Rötung und Schwellung der VulvaMeist kaum oder keine Rötung
pH-Wert der ScheideMeist normal (unter 4,5)Meist erhöht (über 4,5)
Häufige AuslöserAntibiotika, hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft, Diabetes, geschwächtes Immunsystem, FeuchtigkeitStörung der Scheidenflora mit Rückgang der Milchsäurebakterien; verschiedene bakterielle Keime vermehren sich; begünstigende Faktoren sind unter anderem neue oder mehrere Sexualpartner, Rauchen und Vaginalduschen
BehandlungAntipilzmittel (Antimykotika) als Creme, Vaginaltabletten oder Zäpfchen; ggf. FluconazolAntibiotika (z. B. Metronidazol oder Clindamycin) nach ärztlicher Empfehlung
Ansteckend?Keine klassische Geschlechtskrankheit; Übertragung möglich, aber selten UrsacheEbenfalls keine klassische Geschlechtskrankheit; Sexualverhalten kann das Risiko beeinflussen
Wann zum Arzt?Erste Episode, Schwangerschaft, starke Schmerzen, häufige Rückfälle oder unklare BeschwerdenGrundsätzlich bei erstmaligen Beschwerden, Schwangerschaft oder wiederkehrenden Infektionen

Wenn es doch nicht der Pilz ist

Juckreiz und Brennen können auch andere Ursachen haben. Häufig steckt eine gereizte Vulva- oder Vaginalhaut dahinter, etwa durch zu häufiges Waschen, aggressive Intimprodukte, Rasur, Reibung, Slipeinlagen oder enge Kleidung. Auch Trockenheit kann zu Brennen, Wundgefühl oder Schmerzen führen, besonders in den Wechseljahren, nach der Geburt, in der Stillzeit oder unter bestimmten Medikamenten.

Eine weitere mögliche Ursache ist Lichen sclerosus, eine chronische Hauterkrankung im Vulvabereich. Sie kann starken Juckreiz, Brennen, Risse oder weißliche Hautveränderungen verursachen und sollte ärztlich behandelt werden. Bakterielle Vaginose zeigt sich dagegen meist durch dünnflüssigen Ausfluss und auffälligen, oft fischigen Geruch; Juckreiz und Brennen stehen hier meist weniger im Vordergrund.

Apotheker und Ärzte helfen bei Unsicherheit

Eine Selbstbehandlung mit einem Pilzmittel kommt infrage, wenn die Symptome bekannt sind und typisch zu Scheidenpilz passen. „Bei ersten Veränderungen, etwa einem ungewohnten Empfinden, leichtem Brennen oder beginnendem Juckreiz, kann es sinnvoll sein, frühzeitig gegenzusteuern, statt abzuwarten, bis die Beschwerden stärker werden“, sagt Görlitz-Novakovic. Wer unsicher ist, sollte aber nicht auf Verdacht behandeln. Denn wenn eine andere Ursache dahintersteckt, hilft ein Pilzmittel nicht gegen das eigentliche Problem und verzögert die richtige Behandlung.

Hier kann eine Beratung in der Apotheke helfen: Apotheker und pharmazeutisch-technische Assistenten können nach typischen Zeichen einer Pilzinfektion fragen, mögliche Auslöser wie Antibiotika, Intimpflege oder wiederkehrende Beschwerden einordnen und auf Warnzeichen achten. Dazu gehören neu aufgetretene oder sehr starke Beschwerden, Schwangerschaft, Schmerzen, Blutungen, Fieber, übelriechender Ausfluss oder wiederholte Episoden. In diesen Fällen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Bei wiederkehrenden Beschwerden kann daher ein Vaginalabstrich mit Pilzkultur sinnvoll sein. So lässt sich feststellen, welcher Pilz verantwortlich ist und ob Resistenzen gegen Medikamente bestehen.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

So lässt sich Scheidenpilz vorbeugen

Viele Frauen erleben Scheidenpilz nur einmal im Leben. Bei anderen kehrt die Infektion jedoch immer wieder zurück. Mediziner sprechen von einem rezidivierenden (wiederkehrenden) Scheidenpilz, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei bis vier nachgewiesene Episoden auftreten. Dann reicht es meist nicht mehr aus, nur den akuten Pilz zu behandeln. Vielmehr muss nach den Ursachen gesucht werden.

Eine hundertprozentig sichere Vorbeugung gibt es zwar nicht. Dennoch gibt es Maßnahmen, deren Nutzen wissenschaftlich gut belegt oder zumindest plausibel ist. Görlitz-Novakovic weist darauf hin, dass Frauen viel tun können, um die Vaginalgesundheit zu unterstützen. „Wichtig ist vor allem eine schonende Intimpflege, die sich auf die Vulva beschränkt; Vaginalspülungen sind nicht sinnvoll, weil sie das vaginale Gleichgewicht zusätzlich stören können“, sagt die Gynäkologin. „Außerdem spielen Faktoren wie atmungsaktive Kleidung, die Vermeidung unnötiger Antibiotika und eine gute Hautpflege eine Rolle.“

Die wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen

  • Den Intimbereich nur mit Wasser oder pH-hautneutralen Produkten reinigen. Intimduschen, aggressive Waschlotionen oder Desinfektionsmittel können die natürliche Schutzflora stören.
  • Nasse Badekleidung oder verschwitzte Sportkleidung möglichst rasch wechseln.
  • Luftdurchlässige Baumwollunterwäsche bevorzugen und sehr enge Kleidung möglichst vermeiden.
  • Antibiotika nur dann einnehmen, wenn sie medizinisch notwendig sind.
  • Einen Diabetes gut einstellen, da erhöhte Blutzuckerwerte das Pilzwachstum fördern.
  • Bei häufig wiederkehrenden Beschwerden gemeinsam mit dem Frauenarzt nach individuellen Risikofaktoren suchen.

Helfen Probiotika oder Milchsäurepräparate?

Viele Präparate werben damit, das vaginale Mikrobiom wieder aufzubauen. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings gemischt. Milchsäurepräparate oder Präparate mit Lactobazillen (Milchsäurebakterien), wie etwa KadeFlora Milchsäurebakterien-Vaginalkapseln, können den Aufbau und Erhalt einer gesunden Vaginalflora unterstützen, insbesondere bei wiederkehrenden Scheideninfektionen oder nach einer Antibiotikatherapie. Sie können helfen, den natürlichen sauren pH-Wert wiederherzustellen.

Ob sie wiederkehrenden Scheidenpilz zuverlässig verhindern, ist bislang jedoch nicht eindeutig bewiesen.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Kann man vorbeugend Medikamente einnehmen?

Für Frauen mit immer wiederkehrendem Scheidenpilz gibt es tatsächlich vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten. Nach erfolgreicher Akuttherapie empfehlen internationale Leitlinien häufig eine sogenannte Erhaltungstherapie. Dabei wird meist der Wirkstoff Fluconazol zunächst zur Ausheilung eingesetzt und anschließend über mehrere Monate in größeren Abständen eingenommen, beispielsweise einmal pro Woche.

Diese Behandlung erfolgt jedoch ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle. Sie eignet sich nicht zur Selbstmedikation und kommt vor allem bei häufigen Rückfällen infrage.

Was hilft bei einem akuten Scheidenpilz?

Die gute Nachricht: Die meisten unkomplizierten Scheidenpilzinfektionen lassen sich heute sehr gut behandeln.

Standard sind Antipilzmittel (Antimykotika). Sie enthalten meist Wirkstoffe wie

  • Clotrimazol
  • Miconazol
  • Econazol

Sie werden als Vaginaltabletten, Vaginalzäpfchen oder Creme angewendet. Zum Beispiel eine KadeFungin 3 Kombi-Packung mit Clotrimazol ermöglicht eine dreitägige Behandlung von Vagina (mit Vaginaltablette) und äußerem Intimbereich (mit Creme). Oft genügt nämlich bereits eine Einmalbehandlung oder eine Therapie über drei bis sechs Tage. Bei stärker ausgeprägten Beschwerden wird meist zusätzlich eine Creme für die äußeren Genitalien verordnet, da häufig auch die Vulva entzündet ist.

Alternativ kann der Arzt oder die Ärztin Fluconazol als Tablette verschreiben. Eine einmalige Einnahme reicht bei unkomplizierten Infektionen häufig aus. Während der Schwangerschaft werden jedoch grundsätzlich lokale Präparate bevorzugt.

Warum manche Frauen immer wieder Scheidenpilz bekommen

Tritt Scheidenpilz ständig erneut auf, lohnt zusätzlich der Blick auf mögliche Risikofaktoren und dann sollte nicht nur der Pilz selbst behandelt werden. Entscheidend ist, was Candida seine Chance gibt: hormonelle Veränderungen, eine gestörte Hautbarriere, Medikamente oder andere Faktoren, die das Gleichgewicht im Intimbereich beeinflussen. Wer die Auslöser kennt, kann Beschwerden besser einordnen und entsprechend gegensteuern.

So prüfen Gynäkologen unter anderem,

  • ob möglicherweise eine andere Erkrankung wie Diabetes vorliegt,
  • ob hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen,
  • ob das vaginale Mikrobiom dauerhaft gestört ist,
  • ob tatsächlich Candida albicans der Auslöser ist oder eine andere Pilzart,
  • oder ob hinter den Beschwerden möglicherweise gar keine Pilzinfektion steckt.
  • Bei wiederkehrenden Beschwerden kann ein Vaginalabstrich mit Pilzkultur sinnvoll sein. So lässt sich feststellen, welcher Pilz verantwortlich ist und ob Resistenzen gegen Medikamente bestehen.

Gibt es Scheidenpilz-Selbsttests?

In Apotheken sind verschiedene Scheidenpilz-Selbsttests erhältlich. Die meisten funktionieren allerdings nicht dadurch, dass sie Candida direkt nachweisen. Stattdessen messen sie den pH-Wert der Scheide.

Das ist deshalb hilfreich, weil sich verschiedene Erkrankungen unterschiedlich auf den pH-Wert auswirken:

  • Bei einem klassischen Scheidenpilz bleibt der pH-Wert meist normal (unter etwa 4,5).
  • Bei einer bakteriellen Vaginose steigt der pH-Wert häufig an.

Ein normaler pH-Wert schließt einen Scheidenpilz also keineswegs aus.

Daneben gibt es inzwischen auch Kombinations-Selbsttests, die zusätzlich Entzündungsmarker oder bestimmte Pilzbestandteile erfassen. Ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt. Sie können einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Für Frauen mit typischen, bereits bekannten Beschwerden können solche Tests eine erste Orientierung bieten. Bei erstmaligen Beschwerden, Schwangerschaft, starken Schmerzen, Fieber oder häufigen Rückfällen empfehlen Fachgesellschaften jedoch immer eine gynäkologische Untersuchung.    pm/tok