
Eine ADAC-Studie hat gezeigt, dass elektromagnetische Felder in allen Kraftfahrzeugen unabhängig von der Antriebsart auftreten. Alle untersuchten Elektroautos und Elektromotorräder hielten die empfohlenen Höchstwerte ein und gelten deshalb als unbedenklich. Foto: Lee/stock.adobe.com
ADAC entwarnt: Beim Fahren oder Laden keine Gefahr durch Elektrosmog bei E-Autos
Sind Verbraucher beim Fahren oder Laden eines E-Autos starkem Elektrosmog ausgeliefert? Dieser Frage hat sich der ADAC, gemeinsam mit der Seibersdorf Labor GmbH und dem Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit (femu) an der RWTH Aachen, im Rahmen einer umfassenden Studie im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und des Bundesumweltministeriums gewidmet. Das Ergebnis ist eindeutig und macht Schluss mit vagen Ängsten und unbelegbaren Theorien.
Der Begriff Elektrosmog ist keine wissenschaftliche Bezeichnung, sondern beschreibt umgangssprachlich die Gesamtheit künstlich erzeugter elektromagnetischer Felder. Diese entstehen durch elektrische Geräte, Stromleitungen oder Funktechnologien wie WLAN, Bluetooth und Mobilfunk.

Über die blauen Instrumente werden die elektromagnetischen Felder im Fahrzeug gemessen. Der Frage nach Elektrosmog im E-Auto ist der ADAC, gemeinsam mit der Seibersdorf Labor GmbH und dem Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit (femu) an der RWTH Aachen nachgegangen. Bildrechte: ©Seibersdorf Laboratories GmbH / Foto: ADAC
Strahlenbelastung wie in der U-Bahn – Basisgrenzwerte eingehalten
Bei Messungen im ADAC Technikzentrum Landsberg und auf der Teststrecke auf dem ehemaligen Flugplatz in Penzing wurden elf Elektroautos, zwei Plug-in-Hybride und ein Verbrenner untersucht. Für die Messungen während der Fahrt und während des Ladevorgangs wurden zehn Messsonden in einen Sitz-Dummy von den Füßen bis zur Kopfhöhe verteilt, in jedem Auto auf jeweils mindestens zwei Sitzplätze gesetzt und in verschiedenen Szenarien untersucht. Die Studie ist nun abgeschlossen und alle Ergebnisse liegen vor.
Dabei sprechen die Messergebnisse in den Testeinrichtungen des ADAC eine klare Sprache: Während der Fahrt lagen lokal und kurzzeitig vereinzelte Magnetfeldstärken zwar über den vorgegebenen Referenzwerten, zum Beispiel beim Starten, Bremsen oder Zuschalten elektrischer Komponenten. Die Berechnung der dabei im Körper hervorgerufenen elektrischen Feldstärken und Stromdichten zeigte jedoch, dass die Basisgrenzwerte in allen Fällen eingehalten wurden.
Die Messungen zeigten zudem, dass die Magnetfeldwerte zwischen den einzelnen Fahrzeugen sowie je nach Betriebszustand deutlich variierten. Die stärksten Magnetfelder traten typischerweise vor allem im Fußraum auf, also in der Nähe der Antriebseinheit des E-Autos und der zugehörigen Verkabelung, während sie im Kopf- und Rumpfbereich meist gering waren. Insgesamt ist die langfristige und körpergemittelte Strahlenbelastung in einem Elektroauto vergleichbar mit den Werten, denen zum Beispiel ein Fahrgast in öffentlichen Verkehrsmitteln, wie etwa der U-Bahn ausgesetzt ist, wie entsprechende Vergleichsmessungen zeigten.
Auch beim Verbrenner gibt es ähnliche Magnetfeldwerte
Lokal erhöhte Werte konnten auch beim Zuschalten elektrischer Komponenten wie der Sitzheizung gemessen werden. Teilweise lagen hier die Werte sogar über denen der Antriebskomponenten und bewegten sich dennoch in einem unkritischen Rahmen. Das betraf neben den E-Autos auch die Plug-In-Hybride und den Verbrenner-Pkw im Studienfeld. „Die großen Unterschiede zwischen den Fahrzeugmodellen zeigen, dass Magnetfelder in Elektroautos nicht übermäßig stark und auch nicht stärker ausgeprägt sein müssen als in herkömmlichen Pkw“, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini.
„Zwar wurden in einigen Fällen – lokal und zeitlich begrenzt – vergleichsweise starke Magnetfelder festgestellt. Die empfohlenen Höchstwerte für im Körper hervorgerufene Felder wurden in den untersuchten Szenarien aber eingehalten, sodass nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand keine gesundheitlich relevanten Wirkungen zu erwarten sind“, unterstreicht Paulini. Und: „Die Studienergebnisse sind eine gute Nachricht für Verbraucherinnen und Verbraucher, die bereits ein Elektroauto fahren oder über einen Umstieg nachdenken.“
Auch der Ladevorgang ist sicher
Ähnliches gilt für die Ladevorgänge: Hier konnten nennenswerte Magnetfelder vor allem beim AC-Laden im direkten Umfeld des Ladesteckers nachgewiesen werden. Die Werte waren während der Initialphase, also zum Start des Ladevorgangs, am höchsten. Auch hier zeigte die Berechnung, dass trotz der kurzzeitig erhöhten Werte keine Überschreitung der empfohlenen Höchstwerte im Körper auftrat – selbst beim direkten Anfassen des Ladesteckers nicht. Beim Schnellladen mit Gleichstrom (DC) waren die strahlenschutztechnisch bewerteten Magnetfeldimmissionen trotz signifikant höherer Ladeleistungen sogar geringer ausgeprägt als beim Laden mit Wechselstrom (AC). Insgesamt waren die Expositionen beim Laden aber weniger stark als bei der Fahrt.
Die Studie hat gezeigt, dass elektromagnetische Felder in allen Kraftfahrzeugen unabhängig von der Antriebsart auftreten. Alle untersuchten Elektroautos sowie auch die vier zusätzlich untersuchten Elektromotorräder hielten die empfohlenen Höchstwerte ein und gelten deshalb als unbedenklich. Auch Personen mit Implantaten müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie in einem Elektroauto unterwegs sind oder sich an einer Ladestation aufhalten.
Der ADAC geht davon aus, dass mit der fortschreitenden Entwicklung der Elektromobilität die elektromagnetische Umweltverträglichkeit weiter an Bedeutung gewinnen wird und spricht sich bei den Herstellern für aufmerksame und realitätsnahe Messungen aus. Idealerweise wird das Thema Elektrosmog schon bei der Entwicklung eines Fahrzeuges mitgedacht und das Auto entsprechend so ausgelegt, dass möglichst keine oder nur geringe Immissionen beim Verbraucher ankommen. Dies gilt natürlich auch für die Ladeinfrastruktur. pm/tok