
Immer wieder betonen Experten: Nichtstun ist teurer als Klimaschutz. Aber bis sich endlich etwas Grundlegendes, Umfassendes tut, werden weiterhin jedes Jahr Tausende Menschen durch die zunehmende und länger anhaltende Hitze sterben – Tendenz steigend. Foto: Jafree/stock.adobe.com
Mehr Hitzetote durch Klimakrise in Deutschland: Gesundheitsnotstand und wirtschaftliche Zeitbombe
Steigende Temperaturen, mehr Dürrperioden und Extremwettereignisse wie Überflutungen und Waldbrände: Die Klimakrise bedroht das Leben und die Gesundheit von Menschen weltweit. Nicht erst in Zukunft, sondern schon heute: Über 200.000 Menschen sind allein in den vergangenen vier Jahren in Folge von Hitze in Europa gestorben.
„Gleichzeitig investieren Regierungen Milliarden in die Subventionierung fossiler Energieträger, die den Klimawandel anheizen und unsere Gesundheitssysteme belasten“, kritisiert Dr. Hans Henri P. Kluge, Regionaldirektor für Europa bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Für viele Menschen ist die Klimakrise zu weit weg, zu abstrakt, zu wenig fassbar: Als ob sie nach wie vor nur ein Thema der Zukunft oder des globalen Südens wäre. (Und als ob das weniger Dringlichkeit begründen dürfte.) Dabei sprechen die Zahlen schon längst eine andere Sprache.
Mehr Hitze- und Katastrophentote, neue Mückeninfektionen, längere Pollensaison
Laut einer Publikation im Fachmagazin „The Lancet Public Health“ stieg in nahezu allen untersuchten europäischen Regionen „die Zahl der hitzebedingten Todesfälle im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1991-2000.“ Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge sterben allein in Deutschland jedes Jahr zwischen 1.200 und über 7.000 Menschen hitzebedingt. So ist zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht – gerade bei älteren Menschen.
Weil sich die klimatischen Bedingungen verändert haben, können sich die Erreger mancher Infektionskrankheiten wie bestimmte Mückenarten in neue Regionen ausbreiten. „So stieg das jährliche Übertragungsrisiko für das Dengue-Virus in Europa im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1980-2010 um 297 Prozent“, heißt es in der Lancet-Veröffentlichung. Zudem habe sich „die Pollensaison um ein bis zwei Wochen verlängert, wodurch sich die Expositionsdauer für Menschen mit allergischer Rhinitis erhöht hat.“
Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Jahr 2021, bei der mehr als 180 Menschen vor allem im rheinland-pfälzischen Ahrtal starben und viele weitere ihre Existenz verloren, können außerdem langfristige psychische Folgen mit sich bringen – wie Angstzustände, Stress oder Depressionen.

Mehr Hitze- und Katastrophentote, neue Mückeninfektionen, längere Pollensaison
Laut einer Publikation im Fachmagazin „The Lancet Public Health“ stieg in nahezu allen untersuchten europäischen Regionen „die Zahl der hitzebedingten Todesfälle im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1991-2000.“ Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge sterben allein in Deutschland jedes Jahr zwischen 1.200 und über 7.000 Menschen hitzebedingt. So ist zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht – gerade bei älteren Menschen.
Weil sich die klimatischen Bedingungen verändert haben, können sich die Erreger mancher Infektionskrankheiten wie bestimmte Mückenarten in neue Regionen ausbreiten. „So stieg das jährliche Übertragungsrisiko für das Dengue-Virus in Europa im Zeitraum 2015-24 gegenüber 1980-2010 um 297 Prozent“, heißt es in der Lancet-Veröffentlichung. Zudem habe sich „die Pollensaison um ein bis zwei Wochen verlängert, wodurch sich die Expositionsdauer für Menschen mit allergischer Rhinitis erhöht hat.“
Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Jahr 2021, bei der mehr als 180 Menschen vor allem im rheinland-pfälzischen Ahrtal starben und viele weitere ihre Existenz verloren, können außerdem langfristige psychische Folgen mit sich bringen – wie Angstzustände, Stress oder Depressionen.
Infektionen durch Mücken: Das Risiko in Europa nimmt zu
Mit Blick auf tropische Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden, meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) kürzlich Rekorde – künftig könnte das der „neue Normalzustand“ in Europa sein, so die Befürchtung.
In 16 europäischen Ländern und 369 Regionen kommt die Asiatische Tigermücke inzwischen vor. Vor rund einem Jahrzehnt trat sie in nur 114 Regionen auf. Ursprünglich ist Aedes albopictus – so der wissenschaftliche Fachbegriff – in Südostasien beheimatet. Aber Klimakrise – und die damit einhergehenden milderen Winter beziehungsweise höheren Sommertemperaturen – sowie internationaler Verkehr haben eine Ausbreitung bis nach Europa begünstigt.
Mückenstiche sind nicht nur lästig – die Tiere können auch diverse Krankheitserreger übertragen. 27 Ausbrüche mit dem tropischen Chikungunya-Virus in Europa meldete das ECDC am 20. August für das Jahr 2025 – ein Rekord. Ein Beispiel ist Bayern: Dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit wurden für 2025 – Stand: 4. August – 24 Fälle der Krankheit gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 5 gewesen. Hohes Fieber sowie starke Glieder- und Muskelschmerzen sind möglich, selten kann die Krankheit tödlich verlaufen – etwa bei Neugeborenen oder Älteren.
Wie sich durch Mücken übertragene Infektionskrankheiten ausbreiten
Auch andere Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber sind auf dem Vormarsch. Wie es genau dazu kommen kann? Reist etwa eine Deutsche für einen Urlaub nach Brasilien, kann sie dort über einen Mückenstich mit dem Dengue-Virus infiziert werden. Symptome entwickelt sie womöglich erst, als sie wieder zuhause ist. Die Zahl solch importierter Dengue-Erkrankungen in der EU hat zuletzt deutlich zugenommen – 2023 waren es 5100 Fälle, 2015 noch 1700. Besagte Reiserückkehrerin wird an ihrem Heimatort womöglich erneut von einer Asiatischen Tigermücke gebissen. Dadurch werden die Moskitos potenziell ebenfalls zu Überträgerinnen für das Virus: Sie können es an weitere Menschen in der Umgebung weitergeben.
Mit der Zeit steigt so die Zahl der Zweiflügler, die den Krankheitserreger hierzulande in sich tragen. 2010 wurden die ersten 12 Dengue-Fälle in Europa (EU/EEA) gemeldet, die nicht importiert wurden, sondern lokal entstanden sind. 2024 waren es schon 304 Fälle. Das Risiko für mückenübertragene Infektionskrankheiten in Europa wird in Zukunft weiter zunehmen. „Damit wird Prävention wichtiger denn je“, sagt Dr. Céline Gossner vom ECDC. Dazu gehören das Tragen langer Kleidung, Mückenspray, geschlossene Fenster oder Fliegengitter. Auch Impfungen können Reisende gegebenenfalls schützen – etwa vor dem Dengue- oder dem Chikungunya-Fieber. Und Pharmaunternehmen arbeiten an weiteren Vakzinen gegen solche Infektionskrankheiten.
Die gesundheitlichen Auswirkungen sind vielfältig. Und teuer: „690 Milliarden Euro Schäden könnten in Deutschland in den nächsten 25 Jahren durch den Klimawandel entstehen – vor allem in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und in der Versicherungswirtschaft“, schreibt die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen. Immer wieder betonen Experten: Nichtstun ist teurer als Klimaschutz.
Klimakrise ist eine nationale gesundheitliche Notlage
Dass die WHO die Klimakrise zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite ausrufen sollte – das forderte vor Kurzem eine von der WHO selbst eingesetzte paneuropäische Kommission. Darunter sind Experten wie Deutschlands ehemaliger Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach. Der SPD-Politiker sagte: „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.“ Die Fachleute wollen unter anderem, dass Regierungen die Klimakrise in ihrer nationalen Sicherheits- und Gesundheitspolitik verankern.
Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO bestätigte: Die Klimakrise sei eine „Sicherheitsbedrohung, ein Gesundheitsnotstand und wirtschaftliche Zeitbombe – alles in einem“. Wenn nicht jetzt handeln – wann dann? In einer Pressemitteilung der WHO heißt es dazu: „Die Energiepreise sind volatil, Lieferketten stehen unter Druck, und die geopolitischen Erschütterungen der vergangenen Jahre haben offengelegt, wie anfällig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen Gesellschaften macht – wirtschaftlich, politisch und gesundheitlich.“
In den vergangenen zehn Jahren habe sich der globale Temperaturanstieg deutlich beschleunigt; die gesamteuropäische Region sei die sich am schnellsten erwärmende Region der Erde: „Der rasche Temperaturanstieg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass plötzlich sogenannte ´Kipppunkte` im Klimasystem erreicht werden, an denen es zu tiefgreifenden Veränderungen zentraler Erdsysteme kommt. Das Zeitfenster, um irreversible Schäden zu verhindern, wird immer kleiner.“
Soll sagen: Die Klimakrise ist weder abstrakt noch weit entfernt. Sie schadet Menschen. Tag für Tag.

Nichtstun in der Klimakrise „kostet jedes Jahr Millionen Menschenleben“
Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise. Ein Team von Wissenschaftlern weltweit hat einen Bericht im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht, der es in sich hat: Er macht deutlich, „dass Untätigkeit angesichts der Klimakrise schon heute in allen Ländern Menschen tötet“ – so bringt es Dr. Jeremy Farrar von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf den Punkt.
Ende September warnten führende Meteorologen, dass sich die Erde stärker und schneller erhitzen könnte, als bisher erwartet. Bereits um das Jahr 2050 könnte demnach die Erwärmung ein Plus von drei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erreichen. Das entspricht einer Welt, die heute kaum vorstellbar ist.
Wie die Klimakrise Menschenleben schon heute zerstört
„Jedes Stückchen Erwärmung kostet Menschenleben und Lebensgrundlagen“, sagt Dr. Farrar, der bei der WHO stellvertretender Generaldirektor für Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Versorgung ist. Laut dem aktuellen „Lancet Countdown on health and climate change” hat die Rate an hitzebedingter Sterblichkeit seit den 1990er-Jahren um 23 Prozent zugenommen; im Durchschnitt sind es pro Jahr rund 546.000 Todesfälle. „2024 war der Durchschnittsmensch an 16 Tagen einer gefährlichen Hitze ausgesetzt, die ohne den Klimawandel nicht aufgetreten wäre“, so die WHO in einer Pressemitteilung. Das hat enorme ökonomische Auswirkungen: Aufgrund der Belastung gingen vergangenes Jahr 640 Milliarden potenzielle Arbeitsstunden verloren – die dadurch entstandenen Produktivitätsverluste entsprechen mehr als einer Billion US-Dollar.
Insgesamt haben 12 von 20 Indikatoren, die anzeigen, wie stark die Klimakrise bereits Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, inzwischen „Rekordlevel“ erreicht. Dürreperioden und Hitzewellen hatten 2023 zur Folge, dass zusätzliche 124 Millionen Menschen moderate oder schwerwiegende Ernährungsunsicherheit erfahren mussten. Und dass sich die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verändert, ist auch nichts Neues.
Klimaschutzmaßnahmen schützen Menschen
Doch Subventionen in fossile Brennstoffe sind noch immer um einiges größer als die finanziellen Mittel, die in den Kampf gegen die Klimakrise investiert werden. „Regierungen steckten 2023 956 Milliarden US-Dollar netto in Subventionen für fossile Brennstoffe; es ist mehr als das Dreifache des zugesagten Beitrages, der jährlich die durch die Klimakrise besonders gefährdeten Länder unterstützen soll“, schreibt die WHO. In fünfzehn Ländern übertraf die Subventionierung sogar das gesamte nationale Gesundheitsbudget.
Die eine gute Nachricht
Aber es gibt auch eine gute Nachricht: „Klimaschutzmaßnahmen sind die größte Gesundheitschance unserer Zeit“, unterstreicht Dr. Farrar. Laut dem Lancet-Bericht wurden zwischen 2010 und 2022 geschätzte 160.000 frühzeitige Todesfälle pro Jahr allein dadurch verhindert, dass die Luftverschmutzung durch Kohleverbrennung abgenommen hat. Klimaschutz ist Menschenschutz.
„Ein rascher Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zugunsten sauberer, erneuerbarer Energien und einer effizienten Energienutzung bleibt der wirksamste Hebel, um den Klimawandel zu verlangsamen und Leben zu schützen. Gleichzeitig würde der Übergang zu gesünderen, klimafreundlichen Ernährungsweisen und nachhaltigeren Agrarsystemen die Verschmutzung, die Treibhausgasemissionen und die Abholzung massiv verringern – und könnte potenziell mehr als zehn Millionen Leben pro Jahr retten“, erklärt Dr. Marina Romanello, Geschäftsführerin des Lancet Countdown am University College London. pm/Pharma-Fakten.de/tok
