Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, vermindertes Leistungsniveau und teilweise auch Asthma sind nur einige Folgen eines lange unbehandelten Heuschnupfens bei Kindern. Eine Allergie-Immuntherapie (AIT) wirkt gerade bei Kindern langfristig mit guten Ergebnissen. Foto: galitskaya/stock.adobe.com

Heuschnupfen-Saison nimmt mit Gräserpollen Fahrt auf – Erfolge mit Allergie-Immuntherapie

Das Pfingstwochenende wird sommerlich. Und während die einen die warmen Temperaturen für Radtouren, Ausflüge ins Grüne oder den ersten Freibadbesuch des Jahres nutzen, freuen sich Pollenallergiker meist weniger über das sonnige Wetter. Denn für sie bedeutet es vor allem juckende Augen, Niesattacken und eine verstopfte Nase. Jetzt fliegen Gräserpollen und die Allergiesaison nimmt so richtig Fahrt auf.

Zahl der Heuschnupfen-Betroffenen steigt weiter an

Wie eine aktuelle Auswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt, ist die Zahl der Betroffenen nach wie vor konstant hoch. Etwa jede 18. bei der KKH versicherte Person war 2024 aufgrund eines pollenbedingten Heuschnupfens in ärztlicher Behandlung. Im Vergleich zu 2014 ist das ein leichtes Plus von 5,2 Prozent. Besonders viele Allergiker leben in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Hier sind jeweils fast 6 Prozent der KKH-Versicherten betroffen. Auf Platz 3 im Bundesländervergleich folgt Bayern (5,8 Prozent). Die wenigsten Heuschnupfengeplagten kommen aus Schleswig-Holstein: Hier leidet nur jede 21. Person (4,7 Prozent) unter den herumfliegenden Pollen.

Gräserpollen sind die häufigsten Heuschnupfen-Aulöser

Zurzeit sorgen vor allem Gräserpollen für eine hohe Belastung: Sie zählen zu den häufigsten Auslösern von Heuschnupfen und erreichen in der Regel zwischen Mai und Juli ihre Hochphase. Durch milde Temperaturen kann sich diese aber auch nach vorne verschieben oder deutlich verlängern. Gräserpollen gelten als besonders problematisch, da sie in großen Mengen vorkommen und über einen längeren Zeitraum in der Luft bleiben. 

Für Betroffene bedeutet dies häufig eine langanhaltende Phase mit Symptomen wie Niesen, verstopfter oder laufender Nase, tränenden Augen sowie Juckreiz im Hals. In manchen Fällen kann die Allergie auch Husten oder Atembeschwerden auslösen.

Immunsystem reagiert überempfindlich

Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf Eiweißbestandteile der Pollen. Der Körper stuft diese fälschlicherweise als Gefahr ein und löst eine Abwehrreaktion aus, die die typischen Heuschnupfensymptome hervorruft. Für eine gezielte Behandlung ist es wichtig, die Auslöser ärztlich abklären zu lassen. Je nach Diagnose können Medikamente die Symptome lindern oder langfristige Therapien wie eine Hyposensibilisierung helfen, die Ursache der Allergie zu behandeln. 

Ergänzend können Betroffene selbst aktiv werden, um ihre Belastung zu reduzieren:

  • Verfolgen Sie die aktuelle Pollenbelastung über Apps oder Online-Dienste und passen Sie Ihren Alltag, wenn möglich, entsprechend an. Planen Sie Aktivitäten im Freien beispielsweise in pollenärmeren Stunden.
  • Lüften Sie gezielt zu Zeiten mit geringer Belastung und halten Sie Fenster bei starkem Pollenflug geschlossen.
  • Wechseln Sie Kleidung nach dem Aufenthalt im Freien und waschen Sie Pollen von Haut und Haaren ab.

Info

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hat bundesweit Daten zur Häufigkeit pollenbedingten Heuschnupfens (Allergische Rhinitis durch Pollen, J 30.1 nach ICD-10) für die Jahre 2014 und 2024 ausgewertet. Rund 91.100 Versicherte waren bundesweit deshalb in ärztlicher Behandlung (darunter rund 54.100 Frauen und rund 37.000 Männer). Damit stieg der Anteil der Heuschnupfenpatienten am Versichertenbestand von 2014 auf 2024 bundesweit insgesamt von 5,3 auf 5,5 Prozent, bei den Frauen von 5,5 auf 5,9 Prozent und bei den Männern von 4,9 auf 5,1 Prozent. Nähere Informationen gibt es unter kkh.de/presse/portraet.

Symptome frühzeitig ärztlich abklären und behandeln lassen

„Gerade im Mai und Juni ist vielerorts mit einer erhöhten Belastung durch Gräserpollen zu rechnen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Kinderzentrum Bethel, Universitätsklinikum Bielefeld und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). „Betroffene sollten sich frühzeitig auf den kommenden Gräserpollenflug einstellen und Maßnahmen treffen, um die Symptome gut in den Griff zu bekommen.“

In der Hochsaison des Gräserpollenflugs erleben viele Allergiker eine besonders belastende Phase: Juckende Augen, Niesreiz, laufende Nase und Atembeschwerden treten häufiger auf. Fachleute raten, Symptome frühzeitig ärztlich abklären und behandeln zu lassen. Eine Allergie-Immuntherapie (AIT) kann Beschwerden langfristig verringern – besonders Kinder profitieren von einer zeitnahen Behandlung. Gräserpollen zählen zu den wichtigsten Allergieauslösern in Deutschland. „Wenn solche Beschwerden über Jahre hinweg nur mit kurzfristig lindernden Mitteln behandelt werden, steigt das Risiko für zusätzliche Allergien oder sogar allergisches Asthma erheblich“, warnt Hamelmann. „Wer frühzeitig aktiv wird, hat bessere Chancen, den Verlauf nachhaltig zu beeinflussen.“

Allergien als zunehmendes Gesundheitsproblem

Allergische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen und werden mittlerweile als Volkskrankheit betrachtet. 25 Prozent der deutschen Bevölkerung – das sind über 21 Millionen Menschen – sind von Allergien betroffen.

Eine Allergie-Immuntherapie (AIT) setzt, anders als symptomlindernde Medikamente, bei der Ursache an. Das Immunsystem lernt dabei Schritt für Schritt, Allergene, wie zum Beispiel Gräserpollen, nicht mehr als Gefahr zu bewerten und nicht mehr übermäßig auf sie zu reagieren. „Schon während der Therapie spüren viele Patientinnen und Patienten eine Erleichterung und profitieren langfristig davon, dass sich die Beschwerden bessern oder die Allergie im besten Fall sogar zurückbildet“, sagt Hamelmann. Eine besonders alltagsfreundliche Variante der AIT ist die tägliche Einnahme von Tabletten oder Tropfen unter die Zunge, wodurch sich das Immunsystem allmählich umtrainieren lässt.

Sehr gute AIT-Behandlungserfolge bei Kindern

„Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und vermindertes Leistungsniveau sind nur einige Folgen unbehandelter Allergien bei Kindern“, so Hamelmann. „Ihr Immunsystem ist in einer hochsensiblen Entwicklungsphase, sodass eine frühzeitige Behandlung enorm viel bewirken und sich positiv auf die Lebensqualität auswirken kann.“ 

Kürzlich veröffentlichte Behandlungsergebnisse aus dem realen Praxisalltag mit rund 11.000 Kindern mit Pollenallergie mit oder ohne begleitendes Asthma bestätigte die langfristige Wirksamkeit der AIT: Über einen Zeitraum von neun Jahren konnten sowohl die Symptome als auch der Bedarf an Antihistaminika und inhalativem Kortison deutlich gesenkt werden.    pm/tok