60 Prozent der Arbeitnehmer haben sich schon einmal krankgemeldet, obwohl sie arbeitsfähig waren. 7 Prozent tun dies häufig. Nahezu jeder Dritte gibt mangelnde Motivation für die Krankmeldung an, rund jeder Vierte möchte Stress oder Konflikten im Team aus dem Weg gehen. Foto: StockPhotoPro/stock.adobe.com

Studie: Sechs von zehn Beschäftigten melden sich trotz Arbeitsfähigkeit krank

So richtig gesund fühlt sich das Aufwachen nicht an. Was tun? Bettkanten-Entscheidungen sind weit verbreitet. Sie entstehen in einem Spannungsfeld zwischen gesunder Selbstfürsorge und einer nicht zwingend notwendigen Auszeit. Problematisch wird es, wenn Krankmeldungen zur Regel werden. Besonders junge Beschäftigte geraten dabei häufig in den Verdacht, vorschnell zu Hause zu bleiben.

Das zeigt die repräsentative Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK, für die im Oktober 2025 bundesweit 1230 Beschäftigte ab 18 Jahren befragt wurden.

Legitimer Weg der Selbstfürsorge

60 Prozent der Arbeitnehmer haben am Morgen schon einmal die sogenannte Bettkanten-Entscheidung getroffen. Sie haben sich krankgemeldet, obwohl sie arbeitsfähig waren. 7 Prozent tun dies häufig, 22 Prozent manchmal und 31 Prozent selten. Die Gründe für sind vielfältig: 31 Prozent wollen damit verhindern, dass kleinere gesundheitliche Beschwerden zu ernsthaften Problemen werden. Ebenso viele bleiben zu Hause, weil ihnen das Arbeitspensum gerade zu viel erscheint.

Patrizia Thamm, Referentin Gesundheitsförderung und Resilienz-Trainerin bei der Pronova BKK, ordnet ein: „Wenn die Krankmeldung dazu dient, bei psychischer Überlastung oder körperlichen Beschwerden rechtzeitig zu handeln und wieder gesund zu werden, dann ist sie ein Ausdruck wachsenden Gesundheitsbewusstseins und eine legitime sowie wertvolle Strategie der Selbstfürsorge.“

Mangelnde Motivation, drohende Konflikte: Krankmeldung als Ausweichstrategie

Oft spielen jedoch persönliche Gründe eine Rolle: Nahezu jeder Dritte gibt mangelnde Motivation an, rund jeder Vierte möchte Stress oder Konflikten im Team aus dem Weg gehen. Und für jeden Fünften haben private Termine an diesem Tag Vorrang. „Wer sich bei jedem kleinen Problem, alltäglichem Stress oder nach jeder intensiven Arbeitsphase krankmeldet, bei dem handelt es sich um eine Ausweichstrategie. Das kann auf eine geringe Frustrationstoleranz, fehlende Resilienz oder eine starke Empfindlichkeit gegenüber Druck hinweisen“, erläutert Psychologin Patrizia Thamm. Dann sei es wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen und sich Hilfe bei Bedarf zu holen.

Jüngere melden sich häufiger krank

Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren, die zur Generation Z zählen, ziehen die Reißleine: 45 Prozent in dieser Altersgruppe treffen die Bettkanten-Entscheidung, davon 11 Prozent sogar häufig. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser Anteil deutlich ab, in der Generation 60plus liegt er nur noch bei 16 Prozent. „Gerade die junge Generation legt viel Wert auf Sinn, Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten. Fehlen diese Faktoren, kann das zu einem Motivationsdefizit führen“, sagt Patrizia Thamm.

Viele gehen trotz Beschwerden zur Arbeit

Die Belastung im Arbeitsalltag ist hoch. Zwar bewerten knapp zwei Drittel der Befragten ihren Gesundheitszustand als mindestens gut. Dennoch hat sich die Zufriedenheit im Vergleich zu 2023 um 6 Prozentpunkte verschlechtert. Überstunden, Termindruck, körperliche Arbeit und ständige Erreichbarkeit belasten viele Beschäftigte. Die Folgen zeigen sich deutlich: 45 Prozent der Befragten gehen trotz Rückenschmerzen zur Arbeit, und jeweils 35 Prozent tun dies auch bei leichter Erkältung oder psychischer Belastung.

Die hohe Bereitschaft, trotz Beschwerden weiterzuarbeiten, birgt jedoch ein Risiko. „Engagement sollte nicht in Selbstaufopferung übergehen, denn dann wird die körperliche oder psychische Gesundheit ernsthaft gefährdet“, betont Resilienz-Expertin Thamm.

Offene Kommunikation in Unternehmen wichtig

Dabei spielen Führungskräfte eine zentrale Rolle. Sie schaffen den Rahmen, in dem Beschäftigte offen über Belastungen sprechen können und der zeigt, dass Selbstfürsorge erwünscht ist. Die Studie zeigt eine Diskrepanz im Verhalten von Jung und Alt: Während ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen ihr Verhalten als gesundheitsbewusst einordnet, wenn sie Bettkanten-Entscheidungen treffen, sehen viele Kollegen die Fehltage kritisch: Mehr als die Hälfte der Befragten vermutet zumindest gelegentlich, dass jüngere Teammitglieder zu Hause bleiben, obwohl sie arbeitsfähig wären.

„Eine offene Kommunikationskultur ist zentral: Beschäftigte müssen Beschwerden ansprechen können, ohne Angst vor Stigmatisierung oder Konsequenzen. Darüber hinaus helfen regelmäßige Pausen, flexible Arbeitszeiten und Unterstützungsangebote, um Resilienz und Gesundheitskompetenz zu stärken. Führungskräfte sollten zudem als Vorbilder auftreten. Wer selbst auf eine gesunde Balance achtet, signalisiert dem Team, dass Selbstfürsorge erwünscht ist.“

Info

Mehr Informationen zur Studie „Arbeiten 2025“ finden Sie hier. Für diese repräsentative Studie der Pronova BKK wurden 1230 Arbeitnehmer ab 18 Jahren im Oktober 2025 online befragt. Die Befragung gibt einen Einblick, wie die Männer und Frauen Stress und Arbeitsklima wahrnehmen, wie sie mit Erkrankungen und Ausfallzeiten umgehen und über den Einsatz von KI im Berufsleben.    pm