
Ein Aluhut fürs Handy zum Schutz vor Elektrosmog? Keine gute Idee. Wenn der Empfang durch die Abschirmung schlechter wird, erhöht das Gerät automatisch die Sendeleistung. Das Feld am Körper wird also stärker statt schwächer. Foto: nikolay100/stock.adobe.com
Elektrosmog: Die Wahrheit hinter den Mythen – was wirklich gefährlich ist und was nichts hilft
Elektrosmog – allein das Wort klingt nach unsichtbarer Gefahr, nach etwas, das fast schon unheimlich durch den Alltag wabert. Gemeint sind reale, aber in der Regel harmlose elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder, die von Stromleitungen, Haushaltsgeräten, Mobiltelefonen oder WLAN-Routern ausgehen. Manche Menschen machen Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder sogar Krebs daran fest. Die Wissenschaft dagegen ist deutlich nüchterner.
Was versteht man unter Elektrosmog?
Der Begriff ist kein wissenschaftlicher Fachbegriff, sondern ein populärer Sammelbegriff. Er bezeichnet alle Felder, die durch technische Geräte entstehen – von der Niederfrequenz (Stromleitungen) bis zur Hochfrequenz (Mobilfunk, WLAN).
Wichtig zur Einschätzung der Faktenlage ist: Diese Felder sind physikalisch sehr gut untersucht. Für alle Alltagsquellen gibt es streng festgelegte Grenzwerte, die europaweit gelten und regelmäßig überprüft werden. Sie sollen sicherstellen, dass selbst bei voller Auslastung eines Geräts kein gesundheitsschädlicher Einfluss auftreten kann.
Elektrosmog-Mythen: Warum sie so hartnäckig sind
Um Elektrosmog ranken sich viele Mythen – oft, weil es um etwas Unsichtbares geht. Zu den verbreitetsten Befürchtungen gehören:
- „Handystrahlung verursacht Krebs.“
Nach aktuellem Stand der Forschung gibt es keinen Nachweis, dass elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte Krebs auslösen. - „WLAN macht Schlafstörungen.“
Schlafprobleme sind häufig – aber wissenschaftliche Studien zeigen keinen kausalen Zusammenhang zwischen WLAN-Feldern und Schlafqualität. - „Elektromagnetische Felder greifen das Nervensystem an.“
Auch hierfür fehlen Belege. Die Energie dieser Felder ist viel zu gering, um biologische Strukturen in der Art zu verändern, wie es beispielsweise Röntgen- oder UV-Strahlen tun.
Dass manche Menschen Beschwerden mit Elektrosmog verbinden, ist medizinisch ernst zu nehmen – die Ursache liegt nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch nicht im Feld selbst, sondern in anderen Faktoren: Stress, Erwartungshaltung oder Fehlinterpretationen körperlicher Signale.
Was sagt die Wissenschaft?
Die wissenschaftliche Lage ist eindeutig: Bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte gibt es keinen Beleg für schädliche Gesundheitseffekte durch elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder des Alltags. Zahlreiche internationale Gremien kommen zu diesem Ergebnis. Darunter sind die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) und das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
„Manche Menschen führen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs auf elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder zurück. Diese werden umgangssprachlich Elektrosmog genannt. Diverse Hersteller bieten Produkte zum vermeintlichen Schutz vor diesen wissenschaftlich nicht nachgewiesenen Wirkungen an. Aus Sicht des Strahlenschutzes sind sie jedoch unnötig.“
Schutzprodukte sind überflüssig
Das Angebot an Elektrosmog-Schutzprodukten ist groß. „Es gibt Baldachine für das Bett, Abschirmmatten und -gardinen, Aufkleber, Wandfarbe, technisch anmutende Geräte wie Neutralisierer, Harmonisierer oder Energetisierer und vieles mehr“, schreibt das BfS. Aber: „Aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) sind sogenannte ,Schutzprodukte gegen Elektrosmog‘ zum Schutz der Gesundheit unnötig oder ungeeignet.“ Jene viel versprechenden, aber wenig einhalten Produkte seien aus fachlicher Sicht manchmal sogar kontraproduktiv. Das heißt, so das BfS: „Im schlechtesten Fall erhöhen manche dieser Produkte die Stärke der Felder, denen man ausgesetzt ist.“
Warum also sind diese teilweise teuren, teilweise beliebten Schutzprodukte sinnlos?
- Viele Produkte sind technisch völlig wirkungslos.
Dazu gehören Anhänger, Ketten, Kristalle oder Chipkarten, die angeblich „harmonisieren“ oder „energetisieren“. Solche Begriffe haben keine wissenschaftliche Grundlage. - Manche Produkte wirken zwar physikalisch – aber ohne gesundheitlichen Nutzen.
„Dazu zählen zum Beispiel Bekleidung, Bettwäsche, Abschirmmatten, Baldachine, Vorhänge und Farben aus oder mit entsprechenden Materialien wie Metallfäden. Ihre physikalischen Eigenschaften können unter Umständen einen messbaren Abschirmeffekt gegen äußere Felder erzeugen (Faraday-Käfig). Allerdings ist diese Wirkung aus Strahlenschutzsicht aufgrund geltender Grenzwerte und der Produktsicherheit unnötig“, teilt das BfS mit. Braucht man diese Produkte vielleicht trotzdem? Nein, weil die Grenzwerte bereits ausreichend Schutz bieten. - Einige Produkte verschlimmern die Situation sogar.
Besonders heikel sind Aufkleber oder Abschirmhüllen am Smartphone: Wenn der Empfang durch die Abschirmung schlechter wird, erhöht das Gerät automatisch die Sendeleistung. Das Feld am Körper wird also stärker statt schwächer. Und, so das BfS: „Manche Schutzkleidung kann außerdem in bestimmten Fällen als Antenne wirken und vorhandene Felder verstärken.“ - Hersteller sichern sich im Kleingedruckten ab.
Dort steht häufig, dass weder der Wirkmechanismus noch die beworbene Schutzwirkung wissenschaftlich anerkannt sind. Viele Formulierungen wie „kann helfen“ oder „könnte unterstützen“ sind bewusst vage gewählt, weil echte Wirksamkeit nachgewiesen werden müsste – und das ist sie nicht. Das BfS erklärt dazu: „Gesetze verlangen Hinweise, dass es sich bei den besagten Produkten nicht um Medizinprodukte nach dem Medizinproduktegesetz und auch nicht um Arzneimittel nach dem Arzneimittelgesetz handelt. Daher erwähnen die Hersteller oft, dass weder der zugrundeliegende Wirkmechanismus noch die beworbene Schutzwirkung allgemein wissenschaftlich anerkannt sind.“
Wie kann man die Feldbelastung wirklich verringern?
Der einzige wissenschaftlich belegte, einfache und wirksame Tipp lautet: Abstand halten. Schon wenige Zentimeter machen einen großen Unterschied. Und das hat nichts mit Zauberei zu tun, sondern ganz einfach mit Physik und mit deren medizinisch relevanten Auswirkungen auf den menschlichen Körper.
Das wären mögliche Beispiele zur Verringerung der persönlichen Feldbelastung:
- Handy nicht direkt ans Ohr halten und lieber ein Headset oder das Freisprechen nutzen.
- WLAN-Router nicht direkt neben das Bett stellen.
- Beim Föhn oder beim Induktionsherd genügt schon eine Armlänge Abstand. Auch Mikrowellen sind sicher.
Elektroautos sind ebenfalls kein Elektrosmog-Problem
Meist sind ohnehin die eigenen Geräte und nicht die Mobilfunkmasten die stärkste Elektrosmog-Quelle im Alltag. Und was ist mit elektromagnetischen Feldern in Elektroautos? Eine Studie des ADAC hat gezeigt, „dass elektromagnetische Felder in allen Kraftfahrzeugen unabhängig von der Antriebsart auftreten. Alle untersuchten Elektroautos sowie auch die vier zusätzlich untersuchten Elektromotorräder hielten die empfohlenen Höchstwerte ein und gelten deshalb als unbedenklich.“ Abgesehen davon, dass auch elektromagnetische Felder in Autos mit Verbrennermotoren gemessen wurden, kann der ADAC selbst für den Ladevorgang bei E-Autos Beruhigendes mitteilen: „Auch Personen mit Implantaten müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie in einem Elektroauto unterwegs sind oder sich an einer Ladestation aufhalten.“
Elektrosmog ist also ein Begriff, der nach Gefahr klingt, aber im Alltag kein gesundheitliches Risiko darstellt, solange die gesetzlich geregelten Grenzwerte eingehalten werden. Die Forschung hat dieses Feld sehr gut untersucht. Wer die Feldstärke reduzieren will, braucht keine teuren Schutzprodukte, denn ein paar Zentimeter Abstand reichen völlig aus. tok