Social Media und Streamingangebote sind 24/7 verfügbar. Übermäßige Bildschirmzeiten und der Konsum unangemessener Inhalte können für Heranwachsende schädlich sein, zu Schlafmangel, Konzentrationsstörungen, Ängsten, depressiven Symptomen oder auch sozialer Isolation führen. Foto: Lomb/stock.adobe.com

Sucht nach Social Media und Streaminghits? So bewahrt man Kinder vor digitalem Stress

„Mama, Papa, ich schaue nur noch das Youtube-Video zu Ende, dann komme ich zum Essen.“ Welche Eltern kennen solche Äußerungen ihres Nachwuchses nicht. Meist vergeht dann doch noch ein ganzes Weilchen, bis die Kids am Familientisch auftauchen. Die Anziehungskraft von Smartphone, Tablet, Computer und Spielekonsole ist enorm groß – ebenso die Liste der möglichen Gefahren durch kriminelle Aktionen und das Risiko auf ein folgenreiches Suchtverhalten. 

Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage unter 1001 Eltern von 6- bis 18-jährigen Kindern im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse nutzt fast jeder Heranwachsende regelmäßig digitale Medien und Online-Angebote (96 Prozent). Klar an Position eins steht bei Kindern und Jugendlichen Video-Streaming (80 Prozent), gefolgt von Musik-Streaming (64 Prozent) und Sozialen Netzwerken wie TikTok, Snapchat oder WhatsApp (52 Prozent). Allen gemeinsam: ihre Sogwirkung. Digitale Medien sind immer früher fester Bestandteil des Alltags von Kindern und durchdringen nahezu all ihre Lebensbereiche – von Familie und Freundeskreis über Schule, Ausbildung und Berufsstart bis hin zu Freizeit und Urlaub.

Mediennutzung von Kids – eine Blackbox für Eltern?  

Nicht selten ist die Mediennutzung ihrer Kinder für Eltern eine Art Blackbox. So fühlen sich 20 Prozent der befragten Mütter und Väter laut der aktuellen Umfrage schlecht darüber informiert, was ihr Kind im Internet anschaut, welche Games es spielt und was es in sozialen Netzwerken postet. Die Mehrheit der befragten Eltern hat aber einen guten Überblick darüber, wie ihr Kind digitale Medien und Online-Angebote nutzt: So fühlen sich 50 Prozent eher gut informiert, 24 Prozent sogar sehr gut.

Gut die Hälfte der Eltern (53 Prozent) ist überzeugt, dass sich der Umgang mit digitalen Medien und Online-Angeboten in irgendeiner Weise auf ihr Kind auswirkt: 37 Prozent von ihnen haben negative Folgen wahrgenommen. Das gilt besonders für Mütter (41 Prozent zu 34 Prozent der Väter). An Position eins der gesundheitlichen Folgen für ihre Kinder steht für gut die Hälfte aller befragten Eltern (53 Prozent) das Risiko, eine Mediensucht zu entwickeln. Fast ebenso viele (50 Prozent) befürchten Konzentrationsprobleme. Auf der Rangliste der Gesundheitsrisiken stehen für Eltern zudem psychische Probleme wie Ängste sowie Bewegungsmangel (jeweils 34 Prozent), Schlafstörungen (27 Prozent) und die Sorge vor ungesunder Ernährung ihres Kindes durch Snacks nebenbei (23 Prozent).

Was Eltern noch Kopfzerbrechen bereitet? 48 Prozent haben Bedenken, dass ihr Kind im Internet mit nicht altersgerechten, gefährlichen Inhalten oder Fake News konfrontiert werden könnte. Als weitere Risiken schließen sich die Sorge vor (Cyber-)Mobbing (39 Prozent) an, ferner nachlassendes Interesse am Familienleben (34 Prozent), schlechtere schulische Leistungen (32 Prozent) und das Vernachlässigen von Freundschaften (31 Prozent).

Grafik: KKH auf Basis einer forsa-Umfrage im Januar/Februar 2026

Gesundheitliche Risiken durch lange Bildschirmzeiten

Die Sorgen der Eltern sind nachvollziehbar, denn: Übermäßige Bildschirmzeiten und der Konsum unangemessener Inhalte können für Heranwachsende schädlich sein, zu Schlafmangel, Konzentrationsstörungen, Ängsten, depressiven Symptomen oder auch sozialer Isolation führen. Dabei bergen Medien auch ein großes Potenzial für Kinder und Jugendliche, ob für die Entwicklung sozialer Kompetenzen, kognitiver Fähigkeiten, für räumliches oder auch strategisches Denken.

„Für Eltern liegt die Herausforderung darin, die Balance zwischen Chancen und Risiken auszuloten“, so KKH-Psychologin Franziska Klemm. „Denn entscheidend ist es, das Eintauchen in digitale Welten so zu gestalten, dass es keinen negativen Einfluss auf das körperliche, emotionale und geistige Wohlbefinden von Heranwachsenden hat.“

Digitale Medienkompetenz für gesunden Umgang mit Onlineinhalten

„Social Media und andere digitale Angebote sind Verführungskünstler. Sie arbeiten mit technischen und psychologischen, teils personalisierten Mechanismen mit dem Ziel, Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel durch Belohnungssysteme längerfristig online zu binden, denn damit verdienen sie ihr Geld“, erläutert Franziska Klemm. „Das bewusst wahrzunehmen und sich dagegen zu schützen, ist vor allem für Kinder schwer. Und so können ständiges Swipen, Chatten, Posten und Liken überhandnehmen und sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken.“

Der Schlüssel liegt in digitaler Medienkompetenz. Kinder sollten schrittweise einen reflektierten, gesunden Umgang mit Smartphone, Tablet & Co. und deren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten entwickeln und anwenden – idealerweise mit Unterstützung von Eltern, älteren Geschwistern und Lehrkräften. „Medienkompetenz hilft Heranwachsenden, das online Erlebte einzuordnen und zu hinterfragen und befähigt sie, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu nutzen“, sagt die KKH-Psychologin. „Als positiver Nebeneffekt stärkt ein kompetenter und selbstbestimmter Umgang mit digitalen Medien das Selbstwertgefühl, was sich wiederum positiv auf die mentale Gesundheit auswirkt.“

Grafik: KKH auf Basis einer forsa-Umfrage im Januar/Februar 2026

Große Herausforderung für Eltern: Regeln aufstellen

Basis für eine bewusste Mediennutzung sollten gemeinsam aufgestellte Regeln und die Anwendung von Sicherheitseinstellungen sein. Dazu zählen zum Beispiel altersgemäß begrenzte Bildschirmzeiten, Zeitlimits für bestimmte Apps, Privatsphäre-Einstellungen und bewusste Offline-Zeiten für Treffen mit Gleichaltrigen, Sport oder Musik. Allerdings sind für Eltern laut forsa-Umfrage die drei größten Herausforderungen im Umgang mit der Mediennutzung ihres Kindes: klare Regeln aufstellen, sie konsequent durchsetzen und den Überblick über die Inhalte behalten (jeweils rund 50 Prozent).

Zudem betrachten es 30 Prozent als herausfordernd, mit ihrem Kind über dessen Medienumgang zu sprechen. „Dabei können offene Gespräche der Eltern mit ihrem Nachwuchs entscheidend zum digitalen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen beitragen, gleich ob über Medieninhalte, sicheres Navigieren im Internet, Nutzungserfahrungen oder Risiken wie Cyber-Mobbing samt Schutz davor“, sagt Franziska Klemm. „Es ist wichtig, dass Kinder mit Erwachsenen über online Erlebtes sprechen können – auch wenn es sie belastet – und sie sich in der digitalisierten Welt nicht allein gelassen fühlen.“

Info

Die KKH hält unterschiedliche Angebote zur Förderung der gesunden Nutzung digitaler Medien von Heranwachsenden bereit. Dazu zählt das digitale Informationsportal „Clemens hilft!“, das Eltern in kompakten Video-Einheiten konkrete Tipps und Tricks für die Medienerziehung bietet. Mehr dazu unter kkh.de/clemenshilft. Weitere nützliche Tipps sind hier zu finden: „Medienkompetenz bei Kindern fördern“ und „Mediennutzung von Kindern

Das Meinungsforschungsinstitut forsa hat vom 30. Januar bis 16. Februar 2026 insgesamt 1001 Eltern von Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren bundesweit repräsentativ online befragt. Die Fragen lauteten unter anderem: Welche digitalen Medien bzw. Online-Angebote nutzt Ihr Kind regelmäßig? Wenn Sie daran denken, wie häufig Ihr Kind digitale Medien bzw. Online-Angebote nutzt und was es damit alles macht: Worüber machen Sie sich dann Gedanken oder Sorgen? Welches sind für Sie persönlich im Umgang mit der Mediennutzung Ihres Kindes die größten Herausforderungen? pm/tok