Der Lebensmittelzusatzstoff Glyzerin in Slush-Eis kann bei Kindern in Extremfällen zu Bewusstlosigkeit führen. Foto: MNStudio/stock.adobe.com

Sommer, Sonne, Slush-Eis mit Glyzerin? Für Kinder lieber nicht!

Die bunten Becher wirken auf Kinder verführerisch, doch sind sie nicht ganz unbedenklich: Slush-Eis (englisch: Matsch-Eis) besteht aus einer Mischung aus Sirup und Wasser. Um die Konsistenz geschmeidig zu halten, kommt oft Glyzerin mit in die Eismaschine. Das kann riskant sein: Der Zuckeralkohol Glyzerin kann bei Kindern in zu hohen Mengen Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen verursachen – in Extremfällen sogar Bewusstlosigkeit.

Bei Kleinkindern reichen schon 200 ml, um Symptome auszulösen. In der EU ist Glyzerin als Lebensmittelzusatzstoff erlaubt. Eine britische Studie berichtet aber von 21 Fällen, bei denen Kinder zwischen zwei und sechs Jahren nach dem Verzehr von Slush-Eis notfallmedizinisch betreut werden mussten. Ratsam ist, auf Zusatzstoffe zu achten und im Zweifel besser auf das Eis zu verzichten.  

Das berichtet das „HausArzt-PatientenMagazin“ in seiner aktuellen Ausgabe. Das „HausArzt-PatientenMagazin“ gibt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband in Kooperation mit dem Wort & Bild Verlag heraus. Die Ausgabe III-2025 wird bundesweit in Hausarztpraxen an Patienten abgegeben.

Was ist Slush Eis?

Slush-Eis – auch bekannt als „Slushie“, „Granita“ oder „Crushed Ice Drink“ – ist ein halbgefrorenes Getränk mit feinkörniger Eiskristallstruktur. Es besteht hauptsächlich aus Wasser, Zucker oder Süßstoffen, künstlichen Aromen und Farbstoffen. Durch ständiges Rühren in speziellen Maschinen bleibt die Masse in einem Zustand zwischen flüssig und fest, was die typisch matschige Konsistenz ergibt. Insbesondere bei Kindern erfreut sich Slush-Eis großer Beliebtheit – nicht zuletzt wegen der knalligen Farben und süßen Geschmacksrichtungen.

Inhaltsstoffe von Slush-Eis:

Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Hersteller, aber in der Regel enthält Slush-Eis

  • Wasser – als Basisflüssigkeit.
  • Zucker oder Süßstoffe – zum Beispiel Glukosesirup, Fruktose, Aspartam oder Acesulfam-K (E 950).
  • Künstliche Aromen – naturidentisch oder vollständig synthetisch.
  • Farbstoffe – häufig Azofarbstoffe für leuchtende Farben.
  • Säuerungsmittel – zum Beispiel Zitronensäure zur Geschmacksverstärkung.
  • Konservierungsstoffe – wie Kaliumsorbat.
  • Stabilisatoren oder Verdickungsmittel – etwa Xanthan oder Guarkernmehl.
  • Optional: Glycerin (E422) – als Konsistenzmittel.
Sieht erfrischend aus, schmeckt süß und wirkt auf Kinder sehr verlockend. Gesund ist Slush-Eis allerdings nicht. Foto: Sebelas Stock – KI-generiert/stock.adobe.com

Was kann für Kinder bedenklich sein?

1. Künstliche Farbstoffe

Viele Slush-Eis-Produkte enthalten Azofarbstoffe wie Tartrazin (E102), Cochenillerot A (E124) oder Gelborange S (E110). Diese stehen im Verdacht, bei Kindern Verhaltensänderungen wie Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen auszulösen – insbesondere bei bereits bestehender Anfälligkeit (etwa ADHS). Seit der sogenannten Southampton-Studie (2007) ist in der EU vorgeschrieben, dass Produkte mit diesen Farbstoffen den Warnhinweis tragen müssen: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“

2. Zucker in großen Mengen

Slush-Eis kann bis zu 20 g Zucker pro 100 ml enthalten – bei einer Portion von 300 bis 500 ml also bis zu 100 g Zucker. Zum Vergleich: Die WHO empfiehlt für Kinder maximal 25 g Zucker pro Tag. Ein Becher Slush-Eis kann also das Vierfache dieses Wertes enthalten.

Mögliche Folgen von zu hohem Zuckerkonsum:

  • Starke Blutzuckerschwankungen
  • Förderung der Vorliebe für stark gesüßte Produkte
  • Karies
  • Übergewicht

3. Süßstoffe

Zuckerfreie Varianten verwenden meist Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K oder Sucralose. Diese sind zwar in zugelassenen Mengen als unbedenklich eingestuft, dennoch ist die Langzeitwirkung bei regelmäßigem Konsum durch Kinder nicht abschließend erforscht. Außerdem können stark gesüßte, kalorienfreie Produkte das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflussen.

4. Glycerin (E422)

In manchen Slush-Eis-Mischungen – vor allem in der Gastronomie – wird Glycerin (auch Glycerol genannt) zugesetzt, um die Bildung grober Eiskristalle zu verhindern und die Masse weich zu halten. Glycerin ist ein Zuckeralkohol, der Wasser bindet und damit eine geschmeidige Konsistenz erzeugt. Glycerin ist in geringen Mengen unproblematisch. Bei übermäßigem Konsum, etwa durch sehr große Portionen Slush-Eis, können bei Kindern Magen-Darm-Beschwerden auftreten, insbesondere wenn sie empfindlich auf Zuckeralkohole reagieren.

Mögliche gesundheitliche Risiken:

  • Glycerin wirkt osmotisch – es zieht Wasser in den Darm. Das kann bei Kindern zu Durchfall, Blähungen oder Übelkeit führen.
  • In hohen Dosen sind auch Kopfschmerzen, Schwindel oder Kreislaufprobleme möglich.
  • Extrem hohe Mengen, wie sie über Lebensmittel normalerweise nicht aufgenommen werden, können theoretisch sogar zu Bewusstseinsstörungen führen – das betrifft aber nur toxikologische Ausnahmefälle.

5. Kältekopfschmerz („Brain Freeze“)

Beim schnellen Verzehr von eiskalten Getränken kann es zu einem Kältekopfschmerz kommen: Dabei ziehen sich die Blutgefäße im Gaumen rasch zusammen, was zu einem kurzen, aber stechenden Kopfschmerz führen kann – besonders bei Kindern ein häufiges Phänomen.

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Slush-Eis ist ein Genussmittel – kein Getränk zur regelmäßigen Erfrischung. Aufgrund der potenziell hohen Zucker- und Zusatzstoff-Konzentrationen ist ein häufiger Konsum durch Kinder nicht empfehlenswert.

Das sollten Eltern beachten:

  • Zutatenliste lesen, Azofarbstoffe und Glycerin vermeiden.
  • Zuckerarme Alternativen bevorzugen – zum Beispiel selbst gemachtes Fruchteis.
  • Kleine Portionen anbieten und den Konsum auf gelegentliche Anlässe beschränken.
  • Kinder aufklären, dass „bunt“ nicht gleich „gesund“ bedeutet.

pm/tok