Über zwei Drittel der Studenten in Deutschland und Österreich fühlen sich durch ihr Studium ziemlich bis sehr gestresst. Dabei geht es Studentinnen psychisch wie körperlich signifikant schlechter als ihren männlichen Kommilitonen. Foto: Christian Horz/stock.adobe.com

Mental-Health-Barometer: Studium-Stress macht krank, Studentinnen besonders betroffen

Der mentale Gesundheitszustand von Studierenden bleibt angespannt: Mehr als die Hälfte stuft ihre psychische Verfassung als „weniger gut“ oder „schlecht“ ein, auch die Bewertung der Lebensqualität geht zurück. Besonders Studentinnen berichten von schlechterer mentaler und körperlicher Gesundheit, höherem Stress und geringerem Sicherheitsempfinden am Campus. Das zeigt das Mental-Health-Barometer 2025 von Instahelp und Studo.

Unwohlsein nimmt zu, Stigma um psychische Probleme nimmt ab

Die Ergebnisse des fünften Mental-Health-Barometers zeichnen ein klares Bild: 56,7 Prozent der 6080 Befragten geben an, dass es ihnen in den vergangenen 14 Tagen weniger gut oder schlecht gegangen ist – ein neuer Höchstwert seit Beginn der Erhebung 2021.

Ein positiver Aspekt: Das Stigma rund um mentale Gesundheit nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Stuften 2021 noch 75,5 Prozent mentale Gesundheit als Tabuthema ein, waren es 2025 nur noch 60,9 Prozent. Dennoch hat lediglich rund jeder Dritte das Gefühl, wirklich offen über psychische Probleme sprechen zu können. Für Instahelp, die Plattform für psychologische Online-Beratung und -Therapie, unterstreicht das die Dringlichkeit niedrigschwelliger Angebote für junge Menschen.

Stress und Unsicherheit: Studentinnen besonders belastet

Zwar ist das Stressempfinden der Studierenden im Vergleich zu den Vorjahren gesunken, bleibt aber hoch: Über zwei Drittel (67,1 Prozent) fühlen sich durch ihr Studium ziemlich bis sehr gestresst. Hoher Arbeitsaufwand, Prüfungsdruck, psychische Belastungen und finanzielle Sorgen zählen zu den größten Stressoren. Mehr als die Hälfte berichtet zusätzlich, dass aktuelle Weltgeschehnisse wie Inflation oder geopolitische Krisen ihre mentale Gesundheit spürbar beeinträchtigen.

Ein Blick auf die Geschlechter zeigt klare Unterschiede: Studentinnen geht es psychisch wie körperlich signifikant schlechter als ihren männlichen Kommilitonen. Sie fühlen sich stärker gestresst, erleben globale Krisen sowie soziokulturelle Konflikte als intensivere Belastung für Psyche, Wohlbefinden und Studienleistung und fühlen sich am Campus deutlich weniger sicher.

Campus App mit Notfall-Push-Benachrichtigung

„Dass sich weibliche Studierende am Campus weniger sicher fühlen, ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal“, sagt Maximilian Ritter, Kooperationsmanager bei Studo, der App für Studierende, die an über 60 Hochschulen genutzt wird. „Deshalb bieten wir in der Campus App mit Critical Alerting eine Notfall-Push-Benachrichtigung an, mit der Hochschulen Studierende in Gefahrenlagen sofort am Smartphone erreichen können“, so Ritter.

Der Stress bei Studierenden hat viele Gesichter

Die fünf häufigsten Belastungsfaktoren für Studierende in Deutschland und Österreich sind

● Überforderung und Arbeitsaufwand im Studium (57,1 Prozent)

● Prüfungen (42.5 Prozent)

● psychische Probleme (35.7 Prozent)

● die eigene finanzielle Situation und Teuerungen (33.3 Prozent)

● Vereinbarkeit von Job und Studium (28.8 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Studierenden (56.4 Prozent) fühlt sich durch die aktuellen Weltgeschehnisse (Inflation, geopolitische Krisen) in ihrer mentalen Gesundheit beeinträchtigt und 33.9 Prozent fühlen sich dadurch in ihrer Studienleistung beeinträchtigt.     

Mentale Gesundheit: Wichtig, aber im Alltag vernachlässigt

Auffällig ist der Widerspruch zwischen Haltung und Verhalten: 71,4 Prozent der Studierenden halten mentale und körperliche Gesundheit für gleich wichtig, doch im Alltag spiegelt sich das kaum wider. Knapp die Hälfte (48,8 Prozent) investiert wöchentlich zwei bis fünf Stunden in Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte – für die Psyche bleibt wenig Zeit. 67,9 Prozent nehmen sich keine bis maximal eine Stunde pro Woche für mentale Gesundheit, etwa durch Reflexion, Meditation oder Beratung.

Ein Paradoxon hinsichtlich dessen, dass mehr als die Hälfte der teilnehmenden Studierenden ihren psychischen Zustand als weniger gut oder schlecht beschreibt. Das Bewusstsein ist da – es scheint jedoch an Zeit, Routinen und Strukturen zu fehlen, um wirklich gut für sich sorgen zu können.

„Es fehlt nicht am Willen, sondern an Strukturen und leistbarer Versorgung“, betont in diesem Kontext Dr. Bernadette Frech, CEO von Instahelp. „Wer zwischen Studium, Nebenjob und Alltagsstress kaum Ressourcen hat und gleichzeitig hohe Kosten trägt, schiebt den Schritt zur Hilfe oft lange auf.“ Hoffnung macht die Kostenübernahme klinisch-psychologischer Behandlung als Kassenleistung in Österreich ab 2026. „Das ist ein wichtiger Schritt, darf aber nur der Anfang sein“, so Frech.

Hohe Hürden beim Zugang zu Unterstützung

Die Bereitschaft, Hilfe zu suchen, ist groß: 86,3 Prozent der Studierenden wünschen sich bei mentalen Problemen professionelle Unterstützung. Doch nur knapp die Hälfte (47,7 Prozent) hält es für realistisch, diesen Schritt auch tatsächlich zu gehen. Gerade Studentinnen wären eher bereit, Hilfe anzunehmen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Vor allem finanzielle Hürden bremsen aber: Viele weichen daher auf Selbstrecherche und Selbsthilfe aus. Wären Kosten kein Thema, würden Studierende vor allem Coaching, psychologische Behandlung und Psychotherapie vor Ort, Studierendenberatung sowie psychologische Online-Beratung wie Instahelp bevorzugen. pm/tok

Zentrale Daten und Erkenntnisse aus dem Mental Health Barometer 2025 von Instahelp und Studo

Das Mental-Health-Barometer von Instahelp und Studo wird seit 2021 jährlich unter Studierenden in Österreich und Deutschland durchgeführt. Ziel ist es, die Entwicklung des mentalen Gesundheitszustands von Studierenden sichtbar zu machen und Entscheidungsträgern in Bildung, Gesundheit und Politik fundierte Daten für Maßnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit bereitzustellen. Die fünfte Erhebung wurde im Herbst 2025 unter 6080 Studierenden online durchgeführt.