Ein Schlaganfall ändert nicht nur das Leben von Betroffenen. Auch die Angehörigen haben mit den Folgen zu kämpfen. Und so richtig darauf vorbereitet ist wohl niemand. Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com

Lesertelefon am Donnerstag: Was Angehörige von Schlaganfall-Betroffenen stärkt

In Deutschland erleiden jährlich mehr als 250.000 Menschen einen Schlaganfall – ein tiefer Einschnitt im Leben der Betroffenen, nicht selten mit schweren und lebenslangen Folgen. Auch für die Angehörigen und Lebenspartner der Betroffenen ändert sich das Leben schlagartig: Ihnen bleibt kaum Zeit, das Geschehene zu verarbeiten, während sie gleichzeitig alle möglichen Angelegenheiten für den Erkrankten regeln müssen. Was Angehörigen im Alltag helfen kann, erklären Experten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe am Lesertelefon von Vital-Region.

Angehörige übernehmen nach der Akutbehandlung häufig die Versorgung und Pflege der Betroffenen, oft über viele Jahre hinweg. Ergebnisse einer aktuellen Angehörigen-Befragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zeigen, dass die Pflegenden häufig überlastet und nur unzureichend darüber informiert sind, wo sie Unterstützung erhalten können. Was Angehörige entlastet und wo sie Hilfe finden, dazu informieren Experten der Stiftung am Donnerstag, 5. November, von 15 bis 18 Uhr am Lesertelefon.

Wenn Fürsorge zum Belastungstest wird

Die große Mehrheit der Menschen, die einen Angehörigen nach einem Schlaganfall pflegen, entscheidet sich dazu aus Liebe und Verbundenheit, wie die Befragung unter rund 400 pflegenden Angehörigen zeigt. Deutlich wird aber auch: Trotz dieser starken Motivation kommen viele Pflegende an ihre Grenzen, manche gehen gar darüber hinaus. Denn die Versorgung und Pflege kann hohe körperliche und psychische Belastungen mit sich bringen. 

Gleichzeitig wissen viele Pflegende nicht, welche Unterstützungsangebote sie nutzen können, oder sie sind mit den komplizierten Antragsverfahren bei Pflegekassen und Behörden überfordert. Die Folge: Pflegende Angehörige schultern mehr Last als nötig – und oft genug mehr, als sie auf Dauer tragen können.

Niemand muss alles alleine schaffen

Mehr als drei Viertel aller pflegenden Angehörigen sind Frauen, die sich um ihren Ehe- oder Lebenspartner kümmern. Oftmals sind sie dabei weitgehend auf sich gestellt, ohne Hilfe durch einen Pflegedienst oder andere Angehörige. Die Kombination aus hoher Verantwortung und ständiger Belastung führt bei vielen zu einem Rückgang der Lebensqualität. Sie sind dauerhaft erschöpft, erholen sich schlecht, leiden unter Schlafproblemen – und sind damit auf dem direkten Weg in den Burn-out. 

Für sie ist es besonders wichtig, Hilfsangebote frühzeitig und im vollen möglichen Umfang zu nutzen. Pflegende Angehörige profitieren zum Beispiel von Pflegekursen, die sie auf ihre Aufgaben vorbereiten und ihnen die Pflege erleichtern können. Vor allem aber stehen ihnen Anlaufstellen zur Verfügung, die sie auf dem Weg durch den Dschungel des Pflegesystems in Deutschland lotsen.

Unterstützungsangebote für Angehörige? Experten wissen Rat

Was kann ich für den Fall regeln, dass ich die Pflege meines Mannes plötzlich nicht mehr selbst übernehmen kann? Ich kann meinen Mann kaum noch heben. Gibt es Pflegehilfsmittel, die mich unterstützen? Wie schaffe ich den Umzug in eine barrierefreie Wohnung? Ich fühle mich ausgelaugt — steht mir als pflegende Angehörige eine Kur zu? Ich möchte für die Pflege meine Arbeitsstunden reduzieren — wie schaffen wir das finanziell? Wer unterstützt mich dabei, die Pflege auf Dauer zu organisieren? Die Spastik meiner Frau wird immer schlimmer. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es noch? Mein Mann ist seit seinem Schlaganfall ein ganz anderer Mensch geworden. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll.

Alle Fragen zu Unterstützungsangeboten für Angehörige, die Schlaganfall-Betroffene pflegen, beantworten die Experten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe:

  • Christian Voigt; Pflegewissenschaftler, Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Gütersloh
  • Gabriele Reckord; Fachanwältin für Medizinrecht und Familienrecht, Gütersloh
  • Dr. med. Iris Adelt; Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Lünen
  • Meike Hörnke; Psychosoziale Nachsorge, Wendepunkt Schlaganfall, München
  • Carolin Grande; Gesundheits- und Krankenpflegerin, Teamleitung HomeCare, Orthopädie- und Rehatechnik Dresden

Nicht vergessen! Lesertelefon am Donnerstag, 5. November von 15 – 18 Uhr. Der Anruf unter 0800–2811811 ist aus allen deutschen Netzen gebührenfrei.

Info

Die Experten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stellen am Lesertelefon keine Diagnosen, geben keine Therapieempfehlungen und führen keine rechtliche Beratung durch. Es werden keine Daten der Anrufenden erfragt, erfasst oder verarbeitet. Dieses Lesertelefon wird unterstützt durch die Ipsen Pharma GmbH. Auf Form und Inhalt hat dies keinerlei Einfluss.   pm