
Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist sofort ein Krankenhaus mit Kinderfachabteilung aufzusuchen, da sich der Zustand innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann. Bei einer Sepsis kommt es oft zu Notoperationen (Amputationen), während bei 7 bis 15 Prozent die Krankheit zum Tode führt. Foto: Stephan Morrosch/stock.adobe.com
Kinder gegen Meningokokken impfen: Seltene Infektion, die aber in rasantem Tempo tödlich enden kann
Meningokokken-Infektionen treten in Deutschland selten auf, können jedoch innerhalb weniger Stunden einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Die Stiftung Kindergesundheit weist auf die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung sowie auf die erweiterten Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) hin, die sowohl Säuglinge, Kinder und Jugendliche, aber auch die allgemeine Bevölkerung durch sogenannten Gemeinschaftsschutz, besser schützen sollen.
Meningokokken sind Bakterien, die bei jeder zehnten Person im Nasen-Rachen-Raum vorkommen, ohne Infektionen oder Beschwerden zu verursachen. In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Varianten, die nicht invasiv sind, also keine Erkrankung verursachen.
Seltene Infektionen, die aber schnell zum akuten Notfall werden
Unterschieden werden insgesamt 12 sogenannte Serogruppen. Weltweit sind vor allem die Gruppen A, B, C, W, X und Y für invasive Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich. In Deutschland dominieren derzeit die Serogruppen B und Y. Meningokokken werden durch engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, etwa über Tröpfchen beim Husten, Niesen oder durch direkten Speichelkontakt. Infektionen durch alltägliche Begegnungen ohne engen Kontakt sind eher unwahrscheinlich.
Die Zahl der gemeldeten Meningokokken-Erkrankungen ist in Deutschland seit Jahren rückläufig. 2024 wurden zwar 344 Meningokokken-Erkrankungen gemeldet und somit fast jeden Tag ein neuer Fall – die höchste Rate seit einem Jahrzehnt. Aktuell liegt die jährliche Häufigkeit jedoch bei unter 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. In 2025 gab es nur 318 Fälle von Meningokokken-Infektionen in Deutschland, darunter 44 Fälle in Baden-Württemberg. Aktuell in 2026 bewegen sich die Zahlen auf einem mit dem Vorjahr vergleichbaren Niveau.
Babys und Kleinkinder unter 5 Jahren haben das höchste Risiko an einer Meningokokken-Infektion der Serogruppe B zu erkranken. Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen durch die Serogruppen A, C, W und Y. Das Tückische aber ist der kurze Weg von der Infektion zum akuten Notfall, der Diagnosefehler nicht verzeiht.
„Meningokokken-Infektionen sind zwar selten, sie gehören aber zu den Erkrankungen, bei denen innerhalb weniger Stunden aus zunächst unspezifischen Beschwerden ein lebensbedrohlicher Notfall werden kann“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Gerade deshalb sind eine schnelle Diagnose und ein wirksamer Impfschutz so wichtig.“
Unspezifische Beschwerden zu Beginn und rasanter Krankheitsverlauf
Invasive Meningokokken-Erkrankungen verursachen meist eine Meningitis (Hirnhautentzündung) in etwa zwei Dritteln der Fälle oder eine Sepsis (Blutvergiftung) in rund einem Drittel der Fälle. Letztere kann zu einem septischen Schock und zum Tod führen. Es ist aber auch möglich, dass beide Erkrankungsformen parallel auftreten.
Die Erkrankung beginnt häufig mit unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl. Innerhalb kurzer Zeit kann jedoch ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entstehen. Typisch bei einem septischen Verlauf sind punktförmige Blutungen unter der Haut und/oder Hautauschlag mit roten, erhabenen Stellen. Diese treten bei etwa jedem zweiten Betroffenen auf. Bei einer Beteiligung der Hirnhäute kommt es zusätzlich zu Nackensteifigkeit und Erbrechen. Auch Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder Hirnnerv-Lähmungen können vorkommen. Bei besonders schweren Verläufen kann es zu Kreislaufversagen, Gerinnungsstörungen und Organversagen kommen.
„Viele Symptome ähneln anfangs einem grippalen Infekt. Verschlechtert sich der Zustand rasch oder treten Hauteinblutungen auf, die bei Aufdrücken eines durchsichtigen Trinkglases sichtbar bleiben, muss sofort ärztlich gehandelt werden“, erklärt Prof. Koletzko.
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Erkrankung oft schwer zu erkennen. Typische Zeichen wie Nackensteifigkeit können fehlen. Stattdessen zeigen sich unspezifische Symptome wie Fieber, Schläfrigkeit oder Reizbarkeit, Erbrechen oder Krampfanfälle. Auch eine vorgewölbte oder harte Fontanelle kann ein Hinweis sein.
Schnelles Handeln entscheidend
Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist sofort ein Krankenhaus mit Kinderfachabteilung aufzusuchen, um eine schnelle Diagnose und Behandlung zu gewährleisten. Eine unverzügliche Therapie ist bereits bei dem Verdacht auf diese Erkrankung notwendig, da sich der Zustand innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann. Zum Einsatz kommen zunächst breit wirksame Antibiotika, die nach dem Erregernachweis angepasst werden. Erkrankte sollten bis 24 Stunden nach Beginn der spezifischen Behandlung isoliert werden und sind danach in der Regel nicht mehr ansteckend.
Nach wenigen Stunden leidet der ganze Körper unter den lebensbedrohlichen Folgen von Meningitis und/oder Sepsis. Mögliche Komplikationen in etwa der Hälfte aller Fälle sind psychische Störungen. Zwischen 10 und 20 Prozent haben geistige und körperliche Langzeitfolgen wie Hörverlust und Amputationen, während bei 7 bis 15 Prozent die Krankheit zum Tode führt.
Ansteckungsfähigkeit und Maßnahmen für Kontaktpersonen
Erkrankte Personen können bereits einige Tage vor Beginn der Symptome ansteckend sein. Enge Kontaktpersonen, insbesondere Haushaltsmitglieder und enge Bezugspersonen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko selbst zu erkranken. Für diese Personen wird eine vorsorgliche antibiotische Behandlung empfohlen, die möglichst schnell erfolgen sollte (bis 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einer erkrankten Person).

Aktuelle Impfempfehlungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung in den letzten Jahren angepasst. Seit 2024 wird allen Säuglingen ab einem Alter von zwei Monaten eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (Verursacher von 59 Prozent der Infektionen) empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis zum fünften Geburtstag erfolgen. Seit 2025 wird zusätzlich eine Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren gegen die Serogruppen A (1 Prozent), C (12 Prozent), W (8 Prozent) und Y (21 Prozent) empfohlen. Versäumte Impfungen sollen bis zum Alter von unter 25 Jahren nachgeholt werden.
Neben den Standardimpfungen gibt es Empfehlungen für bestimmte Personengruppen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen unter anderem Menschen mit eingeschränktem Immunsystem, enge Kontaktpersonen von Erkrankten sowie Reisende in Regionen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Impfungen sollten mindestens zwei Wochen vor Langzeitaufenthalten beziehungsweise vor Reiseantritt erfolgen.
„Die neuen Impfempfehlungen verbessern den Schutz vor schweren Meningokokken-Erkrankungen“, sagt Prof. Koletzko. „Impfungen können schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindern.“

Prävention durch Impfung und Aufklärung
Auch wenn Meningokokken-Erkrankungen selten sind, stellt ihre mögliche Schwere eine besondere Herausforderung dar. Eine frühzeitige Impfung entsprechend den aktuellen Empfehlungen bietet einen wirksamen Schutz vor den wichtigsten Erregergruppen.
Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, den Impfstatus regelmäßig zu überprüfen und die aktuellen STIKO-Empfehlungen zu berücksichtigen. Eine konsequente Umsetzung der Impfempfehlungen sowie eine rasche Behandlung im Verdachtsfall sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.
Impfungen – unverzichtbar für den kindlichen Gesundheitsschutz
Impfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um Kinder vor gefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen. Aktuelle Impfquoten zeigen jedoch, dass zwar viele Kinder in Deutschland geimpft werden, wichtige Impfserien jedoch häufig verspätet oder gar nicht abgeschlossen werden. Die Stiftung Kindergesundheit weist auf die Wichtigkeit eines vollständigen und rechtzeitigen Impfschutzes hin und empfiehlt Eltern, sich dabei am neuen STIKO-Impfkalender zu orientieren.
Impfstoffe schützen vor Infektionen durch Krankheitserreger, gegen die es oft nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten gibt. So sterben beispielsweise noch immer etwa 10 bis 20 Prozent der Erkrankten an einer Infektion mit dem Tetanus-Erreger. Auch vermeintlich harmlose Krankheiten wie Masern können schwere Komplikationen nach sich ziehen.
„Impfungen gehören zu den erfolgreichsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Sie schützen nicht nur das einzelne Kind, sondern auch die Gemeinschaft“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Viele Infektionskrankheiten sind heute nur deshalb selten geworden, weil über Jahrzehnte hinweg konsequent geimpft wurde.“
Impfquoten insgesamt hoch – aber mit Lücken
Die Impfquoten im Kindesalter sind in Deutschland weiterhin hoch. So hatten im Jahr 2024 beispielsweise 96 Prozent der Kinder bis zum Alter von 15 Monaten mit der Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung begonnen. Dennoch schließen viele Kinder die Impfserie nicht im empfohlenen Zeitraum ab: Mit zwei Jahren waren nur etwa drei Viertel vollständig geschützt.
Auch bei den Masern besteht weiterhin Nachholbedarf. Zwar hatten 87 Prozent der Kinder bis zum Alter von 15 Monaten die erste Impfung erhalten, doch zum zweiten Geburtstag fehlte mehr als einem Fünftel der Kinder noch die zweite notwendige Impfdosis. Erst im Schulalter erreichen die Impfquoten Werte über 90 Prozent.
Die Folgen unzureichender Impfquoten zeigen sich bereits international: Großbritannien gilt nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation inzwischen nicht mehr als masernfrei. Auch in Deutschland kommt es weiterhin zu regionalen Masern-Ausbrüchen.
Erfolge und Defizite
Positive Entwicklungen gibt es bei der neuen RSV-Prophylaxe im Säuglingsalter: Mehr als die Hälfte der zwischen April und September 2024 geborenen Kinder war in ihrer ersten RSV-Saison bereits geschützt.
Besonders große Impflücken bestehen weiterhin bei der HPV-Impfung bei Jugendlichen: Nur rund 50 Prozent der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen verfügen über einen vollständigen Impfschutz gegen Humane Papillomviren. Damit starten viele Jugendliche ohne ausreichenden Schutz vor HPV-bedingten Krebserkrankungen ins Erwachsenenleben.
Auch die Auffrischimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung wird von vielen Jugendlichen nicht wahrgenommen.
Warum Impfen auch andere schützt
Impfungen schützen nicht nur die einzelne Person. Wenn genügend Menschen immun sind, kann sich ein Krankheitserreger kaum noch ausbreiten. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität.
„Gerade Säuglinge oder chronisch kranke Kinder sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld gut geimpft ist“, erklärt Professor Koletzko. „Wer sein Kind impfen lässt, schützt damit auch andere besonders gefährdete Menschen.“
Ein hundertprozentiger Schutz lässt sich durch Impfungen zwar nicht erreichen. Dennoch senken Impfungen deutlich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung und verhindern häufig schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen.
Impfen ist sicherer als eine Erkrankung
Viele Eltern sorgen sich um mögliche Nebenwirkungen von Impfungen. Professor Koletzko weist darauf hin, dass Impfstoffe nach strengen wissenschaftlichen und gesetzlichen Vorgaben entwickelt und überprüft werden. „Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und werden kontinuierlich überwacht“, sagt Professor Koletzko. „Leichte Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle oder kurzzeitiges Fieber sind meist unbedenklich und zeigen an, dass das Immunsystem sich mit den Impfstoff auseinandersetzt, was ja der Sinn der Impfung ist.“
Schwere Nebenwirkungen sind selten. Demgegenüber birgt das Durchmachen einer Infektionskrankheit meist deutlich höhere Risiken als eine Impfung.
Empfehlungen der STIKO
Mit dem neuen Impfkalender 2026 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlungen aktualisiert und übersichtlich zusammengefasst. Neu aufgenommen beziehungsweise angepasst wurden unter anderem Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung im Jugendalter, zur RSV-Prophylaxe bei Säuglingen sowie erweiterte Empfehlungen zur Herpes-Zoster-Impfung für bestimmte Risikogruppen. Der aktualisierte Impfkalender berücksichtigt damit aktuelle epidemiologische Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt Eltern, sich am jeweils gültigen STIKO-Impfkalender zu orientieren, den Impfstatus ihrer Kinder regelmäßig überprüfen zu lassen und versäumte Impfungen möglichst bald nachzuholen. Besonders wichtig ist es, Impfserien vollständig und im empfohlenen Alter abzuschließen.
Hilfreich können Erinnerungssysteme in Kinderarztpraxen oder digitale Impferinnerungen sein. Auch niedrigschwellige Impfangebote sowie bessere Informationsangebote – etwa in Schulen oder über soziale Medien – können dazu beitragen, bestehende Impflücken zu schließen.
Info
Hier geht es zum aktuellen Impfkalender. pm/tok