„Es ist sinnvoll, wenn man für die Corona-Auffrischungsimpfungen in einen Zyklus kommt ähnlich wie bei der Grippeimpfung. Da ist es ja auch so, dass man sich im Herbst impfen lässt und die Wirkung über den ganzen Winter hält“, sagt Prof. Stephan Ludwig vom Universitätsklinikum Münster. Foto: insta_photos/stock.adobe.com

Corona-Impfung: Für wen sie wichtig ist, wann man sie nehmen soll

Eigentlich möchte man ja lieber nichts mehr von diesem Virus hören. Dennoch steht im Herbst die Infektsaison vor der Tür und zumindest die Frage nach der Impfung taucht erneut auf. Prof. Stephan Ludwig, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Münster (UKM), fasst zusammen, für wen eine Impfung mit den neuen angepassten Corona-Impfstoffen wichtig ist. Und er erklärt auch, warum wir eigentlich gar nicht mehr wissen, welche Corona-Variante gerade aktuell ist.

Herr Ludwig, muss ich mich – dreieinhalb Jahre nach dem Auftauchen von SARS-CoV-2 – auch in diesem Herbst wieder impfen lassen?

Stephan Ludwig: Die STIKO empfiehlt das Impfen nicht mehr für die gesamte Bevölkerung, sondern erst für Menschen ab 60 Jahren. Außerdem natürlich für Menschen mit Vorerkrankungen oder Immunsupprimierte. Auch für Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten oder in Altenheimen ist eine Auffrischung der Impfung sinnvoll. Ebenso für Schwangere oder für Frauen, die sich mit einem Kinderwunsch tragen, weil das Risiko einer Corona-Infektion in der Schwangerschaft größer ist.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Weitere Videos des Universitätsklinikums Münster finden Sie online unter https://www.youtube.com/@ukmmedia

Wenn ich jetzt geimpft bin oder die Infektion mit SARS-CoV-2 gerade erst durchgemacht habe, wie lange bin ich danach noch geschützt?

Stephan Ludwig: Hier geht man davon aus, dass ein dreimaliger Kontakt mit dem Antigen – also entweder geimpft oder infiziert – ausreicht, um auch gegen neue Varianten einen relativ guten Schutz zu haben. Falls der letzte Kontakt mit dem Antigen schon ein Jahr oder noch länger zurückliegt, sollte man aber in jedem Fall über eine Auffrischung nachdenken.

Wie früh oder spät im Jahr soll ich mich impfen lassen?

Stephan Ludwig: Es ist sinnvoll, wenn man für die Corona-Auffrischungsimpfungen in einen Zyklus kommt ähnlich wie bei der Grippeimpfung. Da ist es ja auch so, dass man sich im Herbst impfen lässt und die Wirkung über den ganzen Winter hält. Es braucht ja auch eine Zeit, bis der Impfschutz nach der Impfung aufgebaut ist, sodass er eigentlich bis ins späte Frühjahr halten sollte.

Wie sinnvoll ist eine Doppel-Impfung gegen SARS-CoV-2 und Grippe?

Stephan Ludwig: Die Doppel-Impfung ist alleine schon deshalb sinnvoll, weil sie nur einen Arztbesuch erfordert. Außerdem hat es den Vorteil, dass man nur einmal mit möglichen Impfreaktionen zu tun hat, wie Schmerzen an der Einstichstelle oder erhöhter Temperatur, was bei empfindlichen Menschen nie ganz auszuschließen ist. Es ist auf keinen Fall so, dass sich – gleichzeitig verabreicht – beide Impfungen in irgendeiner Weise stören.

An welche Varianten sind die aktuellen Impfstoffe angepasst und welche Varianten herrschen eigentlich gerade vor?

Stephan Ludwig: Die aktuellen Impfstoffe sind an die XBB-Variante angepasst, die seit März/April in Deutschland quasi die Kontrolle übernommen hat. Dabei handelt es sich aber immer noch um eine Omikron-Variante. Wir wissen tatsächlich nicht, welche Variante gerade vorherrschend ist. Das ist aber auch nicht schlimm. Es handelt sich bei den jetzigen Subvarianten im Umlauf immer um solche, die sich im genetische Korsett von Omikron bewegen. Das sind also nicht mehr grundlegend neue Varianten, die starke Krankheitssymptome verursachen. Wir gehen daher davon aus, dass die angepassten Impfstoffe gegen alle weiteren Subtypen von Omikron wirksam sind.

Cerberus, Eris, Pirola: Wer legt eigentlich die Namen für die Corona-Varianten fest?

Stephan Ludwig: Die eigentliche Nomenklatur der SARS-CoV-Viren, die auch die WHO offiziell nutzt, ist das was wir in Abkürzungen kennen, also XBB.1.5, eg.5, BQ.1.1. Tatsächlich sind diese Namen, die man sonst so hört, also beispielsweise Cerberus, der Höllenhund oder aktuell Eris, von Wissenschaftlern ausgedacht und sie finden dann, weil sie so griffig sind, Eingang in die Umgangssprache. Das sind aber keine offiziellen Bezeichnungen für die Varianten.

Infektionen mit Omikron verlaufen in der Regel weit weniger schwer als solche mit früheren Varianten. Warum hat sich das Virus so entwickelt, dass es weniger gefährlich ist?

Stephan Ludwig: Die ersten Varianten von SARS-CoV-2 haben sich noch sehr tief in der Lunge vermehrt. Das macht die Menschen sehr schnell sehr krank. Mit der Folge, dass die Betroffenen im Bett liegen müssen, sich das Virus so aber auch nicht gut weiterverbreiten kann. Die neueren Varianten haben sich deswegen so selektioniert, dass sie sich meist im oberen Bereich der Lunge vermehren. Wenn ein Virus weit oben ist, wird es leichter ausgehustet. Außerdem sind die Patientinnen und Patienten weniger krank, können unter Leute gehen und so kann sich das Virus besser verbreiten. Der bessere Übertragungsweg ist von Vorteil für das Virus und deshalb haben sich Omikron-Varianten durchgesetzt. pm