Außerhalb ihres Haushalts können Eltern nur schwer eigene Regeln für die Handynutzung ihrer Kindern aufstellen – wenn sie denn überhaupt ihren Kindern klare Grenzen setzen und deren Einhaltung sichern können. 82 Prozent der Eltern fordern lieber ein Handyverbot an Schulen. Foto: H_Ko/stock.adobe.com

Studie: Jedes zweite Kind nutzt täglich Social Media – Eltern überprüfen nur selten

TikTok, Instagram und Youtube üben eine große Anziehungskraft auf Minderjährige aus: 47 Prozent der unter 18-Jährigen verbringen nach Angaben ihrer Eltern täglich mindestens eine Stunde in sozialen Netzwerken. Vor allem Eltern ab 40 Jahren haben diese Aktivitäten nicht immer im Blick.

61 Prozent der Eltern in der Altersgruppe ab 40 Jahren überprüfen nicht oder nur gelegentlich die Inhalte und Handlungen ihrer Kinder in sozialen Medien. Viele davon vertrauen ihrem Kind und kontrollieren deshalb die Social-Media-Nutzung bewusst nicht. In 57 Prozent der Familien gibt es zudem keine klaren Regeln zur Nutzung von Social Media durch minderjährige Kinder. 

Das sind Ergebnisse der repräsentativen „Postbank Digitalstudie 2026“.

Schon früh ein eigenes Smartphone

Jedes fünfte Kind nutzt bereits spätestens mit acht Jahren ein eigenes Smartphone – die Mehrheit erhält es im Alter von 9 bis 12 Jahren. Ob Kinder schon im Grundschulalter oder erst später ein eigenes Handy bekommen, wird auch vom Alter der Eltern beeinflusst. 

Jüngere Eltern führen ihren Nachwuchs tendenziell früher an mobile Geräte heran als ältere: 25 Prozent der Eltern unter 40 Jahren geben ihrem Kind bereits vor dem neunten Geburtstag ein eigenes Smartphone. Bei den älteren Eltern sind es nur 14 Prozent.

Kaum zeitliche Beschränkung der Handynutzung

Das Smartphone darf in vielen Haushalten intensiv verwendet werden; in 65 Prozent der Familien gibt es keine zeitliche Beschränkung für die tägliche Nutzung. In zwei Dritteln der Familien herrscht auch vor dem Schlafengehen kein Handyverbot. Zwar gibt es in 90 Prozent der Familien Regeln zur Handynutzung, allerdings beziehen sie sich vorwiegend auf den Gebrauch während der Mahlzeiten und beim Lernen sowie auf die Nutzung bestimmter Apps.

„Das Smartphone ist für viele Familien längst Teil des Alltags. Kinder lernen, kommunizieren und organisieren vieles online. Deshalb geht es nicht allein darum, die Nutzung zu begrenzen. Entscheidend ist, Kindern Orientierung zu geben, damit sie digitale Angebote sicher und verantwortungsvoll nutzen können“, sagt David Dommel, der das digitale Performance-Marketing der Postbank leitet. 

Teilhabe ermöglichen, Grenzen setzen, Vorbild sein

„Viele Eltern stehen dabei vor der Herausforderung, digitale Teilhabe zu ermöglichen und zugleich sinnvolle Grenzen zu setzen. Das ist besonders anspruchsvoll, wenn sie selbst nicht mit digitalen Medien aufgewachsen sind und auch für sich noch das richtige Maß finden müssen“, so Dommel.

Obwohl auch viele Erwachsene das Smartphone nur schwer aus der Hand legen können, sehen sich rund drei Viertel der Eltern als gutes Vorbild in Bezug auf die Internetnutzung. Dagegen räumen 29 Prozent der unter 40-Jährigen ein, ein schlechtes Vorbild zu sein – fast ausschließlich, weil sie mobile Geräte zu häufig nutzen.

77 Prozent der Eltern sehen sich als gutes Vorbild bei der Internetnutzung. Das scheint als Erziehungsmaßnahme aber nicht zu genügen, denn eine Mehrheit der Eltern ist für ein Handyverbot an Schulen. Grafik/Bildrechte/Fotograf: Postbank

Mehrheit der Eltern für Handyverbot an Schulen

Die häufigste Maßnahme, um die Zeit mit mobilen Geräten einzudämmen, ist in 51 Prozent der Familien ein Handyverbot während der Mahlzeiten. Jeder zweite befragte Elternteil verbietet das Handy während der Hausaufgaben und in der Schule.

Außerhalb ihres Haushalts können die Erziehungsberechtigten jedoch nur schwer eigene Regeln aufstellen. Daher sind 82 Prozent der Eltern für ein Handyverbot an Schulen. Als Grund nennen 51 Prozent, dass durch Handys der Unterricht und die Konzentration gestört werden. 32 Prozent wollen sich jedoch ein Hintertürchen offenhalten und sind für ein Verbot mit Ausnahmen in bestimmten Situationen. Bei den unter 40-Jährigen ist die Zustimmung mit 75 Prozent etwas geringer als bei den älteren Eltern (87 Prozent).

„Offizielle und klare Regeln geben vielen Eltern eine gute Orientierung, die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder zu begrenzen. Damit Kinder sich in der Schule besser konzentrieren und erfolgreich lernen können, wünschen sich viele Eltern dort einen geschützten Raum ohne Handys“, sagt Dommel.

Info

Im Mai 2026 wurden für die „Postbank Digitalstudie 2026 – die digitalen Deutschen“  3050 Einwohner befragt. Darunter befinden sich 732 Befragte mit Kindern im Haushalt. Die Postbank untersucht mit der Studie im zwölften Jahr in Folge, welche Entwicklungen sich in verschiedenen Lebensbereichen in Bezug auf Digitalisierung allgemein und insbesondere zu Finanzthemen abzeichnen.  pm/tok

Begleiten, Regeln setzen und Alternativen zum Dauerscrollen anbieten

Wie können Eltern ihre Kinder wirklich vom Smartphone wegbringen? Strikte Verbote seien wirkungslos, sagt Florian Buschmann, Experte und Berater für Medienkompetenz und Prävention von Mediensucht. Mit drei Punkten könne man Kindern Wege raus aus der Mediensucht ermöglichen.

  • Konsequenz und Klarheit: Altersabhängige Limits für die Nutzung digitaler Medien, Klarheit und konkrete Ansprache statt schwammiger Aussagen, auf Einhaltung der Regeln achten.  
  • Analoge Alternativen anbieten: Eltern müssen Alternativen anbieten – und zwar solche, die für ihre Kinder attraktiv sind. Wieder mehr Abenteuer wagen, Kinder nicht überkontrollieren.
  • Bedürfnisse erkennen und erfüllen: Kinder mögen gemeinsame Aktivitäten mit Eltern. Sie brauchen echte Nähe zu und Anerkennung von vertrauten Personen. Mehr Zeit mit den Kindern verbringen.  

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